| Kommentar |
Wenngleich Wohlfahrtsstaaten in vielen Gesellschaften mittlerweile etablierte Institutionen sind, bleibt ihre Ausgestaltung Gegenstand intensiver politischer Debatten. Diese Debatten haben in letzter Zeit mit vermehrten Rufen nach ökosozialer Politik im Angesicht der sich verschärfenden planetaren Krisen noch an Intensität gewonnen. Aus dieser Konstellation ergeben sich wichtige Fragen: Wie beeinflussen inter- und transnationale Akteur*innen nationalstaatliche Wohlfahrtsstaatspolitik? Wie werden (öko)soziale Politiken entwickelt? Wie werden sie herausgefordert und verteidigt? Welche Arten neuer Risiken werden im Aufgabenbereich gegenwärtiger Wohlfahrtsstaaten verortet? Welche neuen Leistungen werden dahingehend angeboten? Inwiefern wird dabei Intersektionalität berücksichtigt? Wie gehen ökosoziale Politiken mit der traditionellen Wachstumsabhängigkeit von Wohlfahrtsstaaten um? Wie Wohlfahrtsstaaten im Zeitalter der planetarer Krisen handeln, bestimmt nicht nur die sozioökonomische Sicherheit von Bürger*innen, sondern zunehmend auch ihre Anpassungsfähigkeit an sich verschlechternde ökologische Bedingungen sowie – in letzter Instanz – ihr Überleben.
Das Seminar verbindet Erkenntnisse aus verschiedenen Forschungsfeldern, darunter vergleichende Politische Ökonomie und Soziologie, aber auch Ökologische Ökonomie und Internationale Beziehungen, um eine vertiefende Einführung in die ökosozialen Dimensionen gegenwärtiger Wohlfahrtsstaaten im Globalen Norden und Süden anzubieten. Die übergeordnete didaktische Logik ist dabei, bei der internationalen Ebene (internationale Organisationen und transnationale Akteur*innen) zu beginnen, dann die nationale Ebene (Wohlfahrtsstaaten an sich) zu betrachten und schließlich auf die lokale Ebene (Ruhr-Region) zu wechseln.
Das Seminar deckt die folgenden zentralen Themen ab:
- Theorien und Konzepte aus der vergleichenden Wohlfahrtsstaatsforschung sowie benachbarten Forschungsfeldern
- Multi-Level-Governance
- Felder der klassischen Sozialpolitik (etwa Sozialversicherungen oder Wohnpolitik)
- Ökologische Krise (Klimawandel, Biodiversitätsverlust)
- Ökosoziale Policies, Wachstums(un)abhängigkeit, Postwachstumsperspektiven
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