Wie funktioniert die Europäische Union als politisches System – und wie lässt sich dieses Thema im Unterricht vermitteln? Mit diesen Fragen beschäftigen wir uns in diesem Seminar. Im inhaltlichen Kern stehen die EU als Mehrebenensystem und ihre politischen Prozesse. Wie werden Entscheidungen getroffen? Welche Akteur:innen haben Einfluss – und welche nicht? Welche Rolle spielen die Mitgliedsstaaten in der EU? Wie partizipieren Bürger:innen? Wie wird EU-Gesetzgebung beschlossen und welche Akteur:innen dürfen (nicht) mitentscheiden?
Dies sind die zentralen inhaltlichen Fragen, die wir im Seminar stellen und beantworten wollen. Grundlage ist die Annahme, dass für ein wirkliches Verständnis der Europäischen Union als politischem System die Kenntnis von Institutionen und ihrer Aufgaben nicht ausreicht. Die realen politischen Prozesse weichen insbesondere im europäischen Kontext häufig von den rechtlich festgelegten Rahmenbedingungen ab. Daher ermöglicht uns der Fokus auf politische Prozesse ein viel genaueres Bild der EU als politischem System. Die zentralen Prozesse, auf die wir uns konzentrieren werden, sind:
(1) die Mitwirkung und Interessenvertretung der einzelnen Mitgliedstaaten,
(2) die Partizipation der Bürger:innen (nicht nur, aber vor allem durch Wahlen zum Europäischen Parlament),
(3) Interessenvertretung und Lobbying
(4) Gesetzgebungsprozesse.
Das Verständnis der politischen Prozesse der EU ist im Lehramtsstudium kein reiner Selbstzweck. Schließlich sollen die Studierenden in Zukunft in der Lage sein, die Grundlagen der EU im Unterricht zu vermitteln. Der inhaltliche Fokus des Seminars soll die Studierenden dazu befähigen. Zum anderen wollen wir uns aber auch ganz konkret mit der Frage beschäftigen, wie der Unterricht zum Thema EU aussehen kann und sollte. Daher sind alle Sitzungen zweigeteilt. In der ersten Hälfte setzen wir uns politikwissenschaftlich mit dem jeweiligen Thema der Woche auseinander. In der zweiten Hälfte fokussieren wir didaktische Fragen: Wie wird die EU heutzutage (etwa in Schulbüchern) vermittelt? Wie können Schüler:innen dazu befähigt werden, in diesem System demokratisch mitzuwirken? Wie können politische Prozesse didaktisch aufbereitet werden, etwa in Planspielen und Simulationen? Und wie wird man der Komplexität des Systems gerecht, ohne Schüler:innen zu überfordern? Die fachdidaktische Auseinandersetzung mit den Inhalten des Kurses ist dabei kein gelegentliches Beiwerk, sondern fester Bestandteil des Kurses, was sich auch in der Prüfungsleistung widerspiegelt. Auf diese Weise verbinden wir die inhaltlichen Themen des Seminars strukturell mit der zukünftigen beruflichen Realität der Studierenden.
Am Ende dieses Seminars sollten die Studierenden
1) Die EU als Mehrebenensystem verstehen
2) Zentrale Konzepte der politikwissenschaftlichen Betrachtung der EU (Integrationstheorien, Second-Order-These, Multi-Level Governance) auf konkrete Fallbeispiele anwenden können
3) Akteurskonstellationen und politische Prozesse (Beteiligung, Interessenvertretung, Gesetzgebung) der EU analysieren können
4) Die EU und einzelne Prozesse normativ bewerten können
5) Fachdidaktische Fragen und Inhalte vor dem Hintergrund der erlangten Kenntnis diskutieren und bewerten können
6) Eine politikwissenschaftliche Fragestellung zur EU selbstständig entwickeln, beantworten und auf ein didaktisches Instrument übertragen können.
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