Gruppe 1: Texte des 20. Jahrhunderts (apl. Prof. Dr. Corinna Schlicht):
In diesem Seminar wollen wir uns Lyrik und Prosa des 20. Jahrhunderts zuwenden. Zum einen geht es darum, literatur- und gattungsschichtliches Wissen zu vertiefen, zum anderen darum, zentrale Stimmen des 20. Jahrhunderts kennenzulernen. Teil des Seminars ist eine Blockseminarsitzung mit Deutsch-Studierenden der Universität Antwerpen.
Bitte kaufen Sie sich folgende Bücher und bereiten Sie sie gründlich vor:
- Jahrhundertchronik. Deutsche Erzählungen im 20. Jahrhundert (Reclam).
- Theodor Fontane: Die Poggenpuhls (Reclam)
Gedichte und verschiedene Forschungstexte werden von mir zur Verfügung gestellt.
Gruppe 2: PD Dr. Stefan Hermes: Interkulturelle Literatur (Kurban Said und Olga Grjasnowa)
Das Konzept ,Interkulturalität' ist in der germanistischen Literaturwissenschaft seit rund zweieinhalb Jahrzehnten fest etabliert. Allerdings hat es auch wiederholt kritische Einwände hervorgerufen, und in diesem Zusammenhang sind unter anderem die Alternativbegriffe ,Transkulturalität' sowie, in jüngerer Zeit, ,Intersektionalität' ins Spiel gebracht worden. Vor diesem Hintergrund wollen wir im Seminar zunächst eine Reihe einschlägiger theoretischer Texte diskutieren und so eine geeignete Basis für die exemplarische Auseinandersetzung mit zwei mehr als lesenswerten Romanen schaffen: Kurban Saids Das Mädchen vom Goldenen Horn aus dem Jahr 1938 und Olga Grjasnowas Der Russe ist einer, der Birken liebt von 2012.
Mit der Veranstaltungsreihe Poet in Residence ist der Kurs nicht allein dadurch verbunden, dass wir mit Grjasnowas Roman einen Text der aktuellen Poetik-Gastdozentin behandeln. Vielmehr wird diese auch bei uns zu Gast sein und mit uns über Saids Roman sprechen. Des Weiteren ist der Besuch von Grjasnowas Vorlesungen integraler Bestandteil des Seminars (Di., 19.05. 16-18 Uhr; Mi., 20.05., 16-18 Uhr; Do., 21.05., 18-20 Uhr).
Im Vorfeld anzuschaffen sind sie beiden genannten Romane (in beliebigen Ausgaben). Weitere (theoretische) Texte werden per Moodle zur Verfügung gestellt.
Gruppe 3: PD Dr. Florian Trabert: Erzählungen der Moderne als Graphic Novel: Franz Kafka, Arthur Schnitzler und Thomas Mann
Achtung: Beginn des Seminars am 04.05.2026
Adaptionen literarischer Texte als Graphic Novels haben sich in den letzten drei Jahrzehnten als ein enorm produktives Genre erwiesen. Vor allem Texte der Moderne des frühen 20. Jahrhunderts mit ihren bildreichen Explorationen unbewusster Triebkräfte des Menschen haben Comickünstler*innen vielfach inspiriert. Eine besondere Bedeutung kommt hierbei dem Werk Franz Kafkas zu, das nach dem Zweiten Weltkrieg auch in der Populärkultur breite Spuren hinterlassen hat: Erzählungen Kafkas wie Das Urteil oder Die Verwandlung sind mit ihrer surrealen Traumlogik mittlerweile schon mehrfach als Graphic Novel adaptiert worden.
Das Seminar möchte in die Comic- und Adaptionsanalyse einführen, um die genannten Texte Kafkas, aber auch Arthur Schnitzlers Erzählungen Fräulein Else und Traumnovelle sowie Thomas Manns Erzählung Der Tod in Venedig mit ihren jeweiligen Adaptionen als Graphic Novel zu vergleichen. Ein besonderes Augenmerk soll dabei auf der Frage liegen, wie für die drei Autoren spezifische Erzähltechniken – etwa der innere Monolog in Fräulein Else oder die Leitmotivtechnik in Der Tod in Venedig – in den Graphic Novels visuell umgesetzt sind. Das Konzept der Werktreue, das in einer möglichst genauen Umsetzung der Vorlage das Ideal gesehen hat, soll dabei zugunsten von Betrachtungsweisen verabschiedet werden, die den spielerischen Umgang mit dem literarischen Text in den Vordergrund rücken.
Literaturhinweise
Juliane Blank: Literaturadaptionen im Comic: Ein modulares Analysemodell, Berlin 2015.
Scott McCloud: Comics richtig lesen. Die unsichtbare Kunst, Hamburg 2001.
Monika Schmitz-Emans: Literaturcomics. Adaptationen und Transformationen der Weltliteratur, Berlin u.a. 2012.
Florian Trabert/Mara Stuhlfauth-Trabert/Johannes Waßmer: Graphisches Erzählen. Neue Perspektiven auf Literaturcomics, Bielefeld 2015. |