Gruppe 1: PD Dr. Stefan Hermes: 'Klassiker' der Literatur- und Medientheorie seit dem frühen 20. Jahrhundert
Die Kenntnisse, die sich in diesem Seminar erwerben lassen, zeichnen sich nicht durch 'Anwendbarkeit' oder (vermeintliche) 'Praxisnähe' aus. Vielmehr richtet sich die Veranstaltung an Studierende mit einem ausgeprägten Interesse an Fragen der Literatur- und Medientheorie, die zudem Freude an der gründlichen Lektüre teils sehr komplexer (bzw. komplizierter) Texte haben. Zu den Autor:innen der theoriegeschichtlich bedeutsamen Aufsätze, deren Kerngedanken wir durch close readings und intensive Seminargespräche erschließen und sodann (kritisch) diskutieren wollen, zählen Theodor W. Adorno, Aleida Assmann, Jean Baudrillard, Walter Benjamin, Michel Foucault, Eric D. Hirsch, Susan Sontag und Peter Szondi.
Im Vorfeld anzuschaffen ist die Edition-Suhrkamp-Ausgabe von Walter Benjamins Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit. Weitere Texte können zu einem späteren Zeitpunkt erworben werden, andere werden via Moodle zur Verfügung gestellt.
Gruppe 2: PD Dr. Florian Trabert: Raum- und Gedächtnistheorien
Achtung: Beginn des Seminars am 06.05.2026
Raum- und Gedächtnistheorien weisen vielfältige Überschneidungen auf. Konzipierte bereits die antike Mnemotechnik das Erinnern als ein Durchschreiten von Räumen, so werden die Überlappungen zwischen den beiden Theorien vor allem in Pierre Noras Konzept der „Erinnerungsorte“ sinnfällig. Anhand dieses Konzepts beschreibt Nora, wie sich die kollektive Erinnerung an symbolisch aufgeladene Orte wie Denkmäler oder Schlachtfelder bindet. Auch in Marc Augés Konzept der Nicht-Orte, das sich komplementär zu dem der Erinnerorte verhält, ist diese theoretische Verschränkung zumindest ex negativo angelegt, da Nicht-Orte gerade durch die Abwesenheit von Geschichte und Erinnerung gekennzeichnet sind.
In dem Seminar werden wir uns mit den skizzierten Konzepten der Raumtheorie ebenso beschäftigen wie mit den ihnen verbundenen Theorien des kollektiven und kulturellen Gedächtnisses (Maurice Halbwachs, Aleida und Jan Assmann). Die Anwendbarkeit und Grenzen dieser Theorien werden wir vor allem an Texten der deutschsprachigen Literatur (u.a. von Heinrich Heine und W.G. Sebald) erproben, aber auch anhand anderer Medien (Film, Comic) sowie Formen des kollektiven Gedächtnisses (Denkmäler, Archive, Museen).
Literaturangaben:
Assmann, Jan: Das kulturelle Gedächtnis. Schrift, Erinnerung und politische Identität in frühen Hochkulturen, München 1992.
Marc Augé: Nicht-Orte, München 2012.
Gaston Bachelard: Poetik des Raums, Frankfurt a.M. 1987.
Nora, Pierre: Erinnerungsorte Frankreichs, München 2005.
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