| Kommentar |
Auch wenn, besonders in den letzten 20 Jahren, unterschiedliche Formen der politischen Partizipation diskutiert und implementiert wurden, bleiben Wahlen der zentrale Mechanismus demokratischer Legitimation repräsentativer Demokratien. Sie sind deshalb weit mehr als nur Instrument, um politische Ämter zu besetzen. Das Funktionieren von Wahlen bestimmt grundlegend, ob es sich bei einem politischen System um eine funktionierende Demokratie handelt. Gleichzeitig erlaubt uns die Analyse von Wahlen Rückschlüsse über gesellschaftliche Befindlichkeiten und Problemlagen weit über parteipolitische Präferenzen hinaus. Sie erlaubt Rückschlüsse auf Akzeptanz (un-)demokratischer Akteure und Narrative, auf die Polarisierung einer Gesellschaft und Unterschiede zwischen verschiedenen sozialen Gruppen und Generationen.
Auch die Frage nach Motiven für (Nicht-)Wahlentscheidungen rückt in den Fokus: Wie beeinflussen politisches Vertrauen, demokratische Einstellungen, sozio-ökonomische Voraussetzungen das Wahlverhalten? Einen besonderen Fokus wollen wir im Seminar auch auf Jungwähler:innen legen. Wie unterscheiden sich junge Wähler:innen vom Rest der Gesellschaft und wie versuchen politische Parteien, junge Wähler:innen von sich zu überzeugen? Eine Wahl gleicht dabei nicht der anderen. Institutionelle Kontexte, politische Traditionen, Parteiensysteme und gesellschaftliche Kontexte haben einen entscheidenden Einfluss auf Wahlsysteme. Darum nähern wir uns dem Thema vergleichend. Der Vergleich ist dabei die zentrale Erkenntnislogik des Seminars.
Ein zweiter, gleichgewichtiger Strang des Seminars widmet sich der Praxis des wissenschaftlichen Arbeitens und der Erstellung einer wissenschaftlichen Hausarbeit mithilfe der vergleichenden Methode. In der Struktur ist dabei jede Sitzung zweigeteilt. Ein inhatlicher Block von 90-120 Minuten ist gefolgt von einem methodischen Block von 60-90 Minuten, in dem wir uns mit einem Aspekt einer wissenschaftlichen Hausarbeit beschäftigen: von der Forschungsfrage über Theorie und Hypothesen, komparatives Forschungsdesign, Operationalisierung und Methoden bis hin zur Analyse. Die inhaltlichen Themen und Literatur des Seminars dienen dabei durchgehend als Anschauungsmaterial. Ziel ist es, dass die Studierenden am Ende des Semesters nicht nur einen fundierten Überblick über die vergleichende Wahlforschung haben, sondern auch in der Lage sind, eine eigenständige komparative Hausarbeit zu konzipieren und zu verfassen. Dazu werden wir in den einzelnen Seminarsitzungen aktiv daran arbeiten, wissenschaftliche Praxis zu erlernen und anzuwenden.
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| Leistungsnachweis |
Die regelmäßige Anwesenheit und aktive Teilnahme ist essentiell für den Lernerfolg in diesem Kurs und wird voraussgesetzt. Wir erarbeiten uns die Inhalte während des Seminars selbst. Eine ausführliche Dokumentation, etwa durch detaillierte Foliensätze, wird es nur in Ausnahmefällen geben.
Die Prüfungsleistung ist eine wissenschaftliche Hausarbeit (15 Seiten), in der das im Kurs erlernte Vorgehen des wissenschaftlichen Arbeitens angewendet wird.
Die Studienleistung ist die Vorstellung des Exposés im Seminar. |