G1 - Dr. Bettina Oeste: Kinder-, Jugend- und Family Entertainment Filme
Lese- und literarische Sozialisation erfolgt nicht ausschließlich über schriftsprachliche Texte, sondern auch über andere Medien, die Kinder häufig noch vor Schuleintritt in ihren Elternhäusern oder Peergroups wahrnehmen. Dazu gehören nicht zuletzt auch Filme. Im Seminar werden wir aus fach- und medienwissenschaftlicher Sicht zunächst die Unterscheidung zwischen Kinder-, Jugend- und Family-Entertainment-Filmen vornehmen und uns mit den jeweils spezifischen Merkmalen befassen. Auf dieser Basis werden wir dann ausgewählte Filme bzw. Filmausschnitte analysieren und hinsichtlich ihres Potenzials für die literarische Sozialisation und persönliche Entwicklung von Kindern sowie den didaktischen Nutzen für den Lese- und Literaturunterricht in der Grundschule untersuchen.
Über LSF zugelassene Teilnehmer*innen erhalten rechtzeitig zu Semesterbeginn die Zugangsdaten für den entsprechenden Moodle-Kursraum, über den alle relevanten Informationen sowie die endgültigen Teilnahme- und Zulassungsbedingungen kommuniziert werden.
G2 - PD DR. Ines Heiser: Fußball literarisch – in verschiedenen Medien
Kick it like Beckham, Die wilden Fußballkerle, Manni, der Libero und viele mehr: Fußball wird nicht nur in Vereinen gespielt, sondern auch in verschiedenen narrativen und dokumentarischen Medien für verschiedene Altersstufen und Zielgruppen und mit ganz unterschiedlichen Intentionen erzählt und präsentiert. Begleitend zu breit vermarkteten Sportereignissen wie aktuell im Sommer 2026 zur FIFA Fußballweltmeisterschaft in Kanada, Mexiko und den USA sind entsprechende literarische Zeugnisse häufig besonders präsent, aber auch unabhängig davon ist die Sportart als Motiv(geberin) besonders in Kinder- und Jugendmedien ausgesprochen beliebt. Im Seminar sichten, analysieren und vergleichen wir Auszüge aus Animations- und TV-Serien sowie aus Erstlese- und Kinderbüchern – auch Sachkinderbüchern und Comics – ebenso wie Literarisches für Erwachsene (z.B. Ror Wolfs Fußballgedichte) zum Thema. Dabei untersuchen wir die jeweils mit dem Sport verknüpften Darstellungsstrategien und Narrative, ebenso wie die medienspezifisch genutzten Mittel ästhetischer Gestaltung und die verschiedenen Funktionen, die die Sportart im Rahmen von Erzähltem einnehmen kann.
Grundlagenliteratur für das Seminar sowie Hinweise zum Erwerb der Studienleistungen werden in der 1. Sitzung bekannt gegeben.
G3 – Dr. Liane Schüller: Mutterbilder intermedial
Im Seminar beschäftigen wir uns mit ausgewählten literarischen Texten und Filmen, in denen unterschiedliche Motive und Ausprägungen von Mutter-Sein und Mutterschaft eine zentrale Rolle spielen und auf heterogene Weise – formal und inhaltlich – verhandelt werden. Ein besonderes Augenmerk wird dabei auf dem Wechselverhältnis zwischen literarischen/filmischen Entwürfen von Mutter-Sein und gesellschaftlichen Machtverhältnissen liegen, wobei es gleichermaßen um Moraldiskurse wie um die Zusammenhänge von Ökonomie und Care-Arbeit geht.
Die Grundlagenliteratur für das Seminar sowie Hinweise zum Erwerb der Studienleistungen werden in der 1. Sitzung bekannt gegeben.
G4- Caroline Fußbach - Mo 16-18
Seminar: Deutschsprachige Mirakelerzählungen im Mittelalter
Eine Faszination für Wunder, also außergewöhnliche Ereignisse, die Staunen auslösen, lässt sich bereits in der frühen mittelalterlichen Literatur erkennen. Vor allem um Heilige und ihr außergewöhnliches Leben, Wirken und Sterben ranken sich zahlreiche wundersame Legenden, die sowohl in lateinischen aber auch in volkssprachlichen Quellen überliefert sind. Sie tauchten oftmals im Kontext von Wallfahrtsorten auf und erreichten eine breite lokale Strahlkraft, die sich auch außerliterarisch manifestierte. Sie waren bereits im Mittelalter ein Ausweis der Volksfrömmigkeit, wobei das Interesse an diesen Wunderberichten in der Frühen Neuzeit durch die Erfindung des Buchdrucks und die vermehrte Verwendung der Volkssprachlichkeit noch anwuchs. Im Seminar soll das Mirakel als eigene Erzählform im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit untersucht werden, wobei auch ein Fokus auf die mediale Darstellung dieser Texte in der handschriftlichen Überlieferung und im Druck gerichtet wird. Neben den zahlreich überlieferten Marienmirakelerzählungen soll unter anderem auch die breite Rezeption des Dialogus miraculorum des Caesarius von Heisterbach in den Blick genommen sowie die Bandbreite lokaler Mirakel berücksichtigt werden.
G5 - Dr. Larissa Carolin Jagdschian: Michael Endes Klassiker "Momo oder Die seltsame Geschichte von den Zeit-Dieben und von dem Kind, das den Menschen die gestohlene Zeit zurückbrachte. Ein Märchen-Roman" im Medienverbund
Michael Ende gehört neben Otfried Preußler und James Krüss in der westdeutschen Kinderliteratur nach 1945 zu den Autoren, die (neben Astrid Lindgren) maßgeblich zur Entwicklung der westdeutschen Kinderliteratur beigetragen haben. Sein 1973 veröffentlichter Kinderroman „Momo oder Die seltsame Geschichte von den Zeit-Dieben und von dem Kind, das den Menschen die gestohlene Zeit zurückbrachte. Ein Märchen-Roman“ ist in der Geschichte der westdeutschen Kinder- und Jugendliteratur nicht nur ein internationaler Klassiker (vgl. Ewers 2020), sondern hat das aus der Romantik stammende Kindheitskonzept erzählerisch neu modelliert. Momo ist – wie die Protagonistin in E.T.A Hoffmanns Kunstmärchen "Das fremde Kind" (1817) – ein Kind, das sich mit ihrem Verhalten von den anderen Bewohner:innen der (erzählten) Welt maßgeblich unterscheidet. Kindheit wird hier als „Residuum kindlicher, schöpferischer Existenz“ (Steinlein 2008, 333) inszeniert, das im Gegenstand zur Erwachsenenwelt steht, die durch Entfremdung gekennzeichnet ist (vgl. Schmitt 2016). Mit dieser Thematik ist „Momo“ aktueller denn je, was nicht zuletzt die Neuverfilmung (2025) mit der Darstellung von Künstlicher Intelligenz für das gesellschaftliche Miteinander belegt. Diesen Medienverbund (bestehend aus Filmen, Hörspielen, Theaterstücken, Bilderbüchern) wollen wir uns exemplarisch annähern. Ausgehend von einer Einführung in zentrale Begriffe (wie Medienverbund) und Konzepte (wie Inter- und Transmedialität) schauen wir uns zwei Adaptionen an. Wir beginnen mit dem Roman von 1973 als Ausgangspunkt des Medienverbundes, hören uns Sequenzen des Hörspiels (2023) und sehen uns zum Schluss Ausschnitte aus dem Kinderfilm (2025) an. |