| Kommentar |
Im Jahr 2026 wird der 400. Geburtstag der Madame de Sévigné (1626-1696) gefeiert, die im Kanon der französischen Literatur nach wie vor eine wichtige Stellung einnimmt. Die stilistisch ausgefeilten Briefe der Aristokratin wurden erst posthum veröffentlicht und haben so erst nach dem Tod von Madame de Sévigné den Status als „Werk“ erhalten. Von den circa 1400 Briefen, die zwischen 1648 und 1696 verfasst wurden, zählen wir mehr als 760, die allein an ihre in der Provence lebenden und verheirateten Tochter Françoise (Madame de Grignan) adressiert sind. Zunächst werden wir uns fragen, warum diese reale Korrespondenz aus literaturwissenschaftlicher Perspektive überhaupt interessant ist. Inwieweit sind die Briefe ein herausragendes Beispiel für die Ästhetik der Konversation des 17. Jahrhunderts? Bei der Untersuchung dieser Fragestellung werden Ihre in der Einführungsvorlesung erworbenen Kenntnisse zur Epoche der Klassik aufgegriffen und vertieft. Dieses Seminar fragt auch nach der heutigen Relevanz des beinahe 400-jährigen Werkes. Hierzu werden wir den Biopic “Madame de Sévigné” (2023) der Filmemacherin Isabelle Brocard zentrieren, der auf Grundlage der Briefe die enge Beziehung zwischen Mutter und Tochter auf besondere Weise inszeniert. Aus diesem Filmprojekt entstand auch der „cinéroman“ Madame de Sévigné ou l’excessive tendresse (2024), der ebenfalls Gegenstand unserer Diskussionen sein wird. Schließlich werden wir die Aktualität und Relevanz der Madame de Sévigné außerdem anhand ihrer Präsenz in sozialen Medien aufspüren. Welche Rolle spielen „Bookstagram“ und „#BookTok“ als kulturelle Praktiken für die heutige Literaturrezeption des Werkes der Madame de Sévigné? |