Gruppe 1: Steinmayr: Das Ruhrgebiet in der Gegenwartsliteratur (Ralf Rothmann, Frank Goosen, Lisa Roy)
Das Seminar konzentriert sich vor dem Hintergrund der Tradition auf die Wiederkehr der Dorfgeschichte im aktuellen Ruhrgebietsroman. Dabei wird vor allem auf die Figur des Heimkehrers acht gegeben, der die Ruhrgebietsdorfgeschichte in Gang setzt. Gelesen werden folgende Texte:
Auerbach, Berthold: Schwarzwälder Dorfgeschichten. Stuttgart 1977 (Ausschnitte)
Rothmann, Ralf: Wäldernacht. Frankfurt/M. 1994
Goosen, Frank: Sommerfest. Köln 2012.
Roy, Lisa: Keine gute Geschichte. Hamburg 2024.
Eine digitaler Semesterapparat wird erstellt. Die Zugangsdaten erhalten Sie in der ersten Sitzung.
Gruppe 2: PD Dr. Stefan Hermes: Exillyrik
Immer fand ich den Namen falsch, den man uns gab: Emigranten. Das heißt doch Auswanderer. Aber wir Wanderten doch nicht aus, nach freiem Entschluß Wählend ein anderes Land. Wanderten wir doch auch nicht Ein in ein Land, dort zu bleiben, womöglich für immer. Sondern wir flohen. Vertriebene sind wir, Verbannte. Und kein Heim, ein Exil soll das Land sein, das uns da aufnahm.
Bertolt Brecht
Bekanntlich hatte die Machtübernahme der NSDAP im Januar 1933 unter anderem zur Folge, dass zahlreiche Schriftsteller:innen gezwungen waren, das Reichsgebiet zu verlassen und sich auf unbestimmte Zeit im Ausland aufzuhalten, erst in Europa, bald auch auf anderen Kontinenten. Dort schufen einige von ihnen Werke, die zum Kernbestand der deutschsprachigen Literatur der Moderne zählen – nicht zuletzt in der Gattung der Lyrik, der sich das Seminar widmet. Analysieren werden wir also exemplarische Gedichte von Bertolt Brecht, Else Lasker-Schüler, Mascha Kaléko oder Nelly Sachs, aber auch von heute weniger prominenten Autor:nnen wie Erich Arendt, Johannes R. Becher, Hilde Domin oder Hans Sahl. Ergänzend soll eine Reihe politischer und poetologischer Schriften Berücksichtigung finden, in denen zentrale Gesichtspunkte des Lebens und Schreibens im Exil zur Sprache kommen.
Im skizzierten Zusammenhang sind vor allem folgende Fragen zu erörtern: Welches Bild vermitteln die Texte von den Zuständen im 'Dritten Reich' – und wie stellen sie die Lage im Exilland dar? Auf welche Weise wird das intrikate Verhältnis von (unerreichbarer) Heimat und (zusehends vertrauter) Fremde gestaltet? Inwiefern künden die Gedichte von einem Bemühen um Akkulturation – und wo wird diese programmatisch verweigert und stattdessen das 'andere Deutschland' repräsentiert? Welche politischen oder auch religiösen Überzeugungen transportieren die Texte – und welche tradierten 'Gewissheiten' dekonstruieren sie? Gelangen dabei primär etablierte Schreibverfahren zur Anwendung – oder erforderte die Exilsituation neue poetische Formen? Im Bewusstsein zu halten ist überdies die Tatsache, dass es sich bei der Exil-Problematik keineswegs um ein rein historisches Phänomen handelt: Vielleicht lehrt uns die Beschäftigung mit der Lyrik derer, die einst aus Deutschland vertrieben wurden, ja auch etwas über unseren Umgang mit jenen Menschen, die hier gegenwärtig Zuflucht suchen.
Im Vorfeld anzuschaffen ist der folgende Band: Wolfgang Emmerich und Susanne Heil (Hg.): Lyrik des Exils, bio-bibliographisch ergänzte Ausgabe, Stuttgart 1997 (Reclams Universal-Bibliothek Nr. 8089). Weitere Texte werden in digitaler Form zur Verfügung gestellt. |