Für alle angebotenen Seminare gilt:
- Das Seminar richtet sich an Studierende des Grundschullehramts (Sprachliche Grundbildung).
- Die Seminare finden in Präsenz statt. Für Studierende, die von Härtefallregelungen betroffen sind (z.B. chronische Krankheit, Unfälle, Pflegeaufgaben), können in Rücksprache mit der Dozentin oder dem Dozenten Einzelfallregelungen gefunden werden, i.d.R. zu Beginn des Semesters.
Gruppe 1 von Hendrik Schmalenberg:
‚Sprechen und Zuhören‘ ist eine zentrale Bildungsaufgabe (nicht nur) des Deutschunterrichts – schließlich entfällt verschiedenen Videostudien zufolge etwa 75% der Unterrichtszeit auf mündliche Kommunikation (vgl. Behrens 2022, 6). Dennoch pflegt ‚Sprechen und Zuhören‘ als Kompetenzbereich angesichts der Präsenz von Lesen und Schreiben in internationalen Vergleichsstudien (z. B. PISA, PIRLS) im öffentlichen Diskurs nach wie vor eher ein Schattendasein (vgl. Honnef-Becker/Kühn 2019, 7). Empirische Studien belegen jedoch, dass Unterrichtsgespräche mehr sind als bloße Zulieferer fachlichen Wissens – sie sind Erwerbskontext für fachliches und sprachliches Lernen zugleich (vgl. u. a. Heller et al. 2020, 1).
Auch in Ihrem bisherigen Studium blieb der (fachdidaktische) Blick auf Unterrichtsgespräche, ihre Besonderheiten, Herausforderungen und Potenziale bislang aus. Genau an dieser Stelle setzt das Seminar an: Anhand authentischer Daten aus der Schule (Audios, Videos, Transkripte) sollen Sie verschiedene Gesprächssituationen und -formate kennenlernen und diese vor dem Hintergrund eines sogenannten diskurserwerbsförderlichen Lehrkräftehandelns (Heller/Morek 2015) kritisch reflektieren: Fördere ich mit dem Erzählkreis wirklich die Erzählkompetenzen der Kinder? Inwiefern bietet der Klassenrat Raum zum Argumentieren? Kann man Gesprächsführung überhaupt planen? Der Schwerpunkt des Seminars ist das ‚Sprechen‘, aber auch das ‚Zuhören‘ findet u. a. durch regelmäßige Zuhörübungen Berücksichtigung. Die Sitzungen dieses Seminars bestehen aus Phasen, die wir gemeinsam im Plenum bestreiten, und Phasen, in denen Sie eigenständig in Kleingruppen, die Sie selber wählen dürfen, an Lernstationen arbeiten.
Literatur:
Behrens, Ulrike (2022): Mündliche Kompetenzen im Deutschunterricht. Sprechen und Zuhören als Bildungsaufgabe. Hannover: Klett Kallmeyer.
Heller, Vivien/Miriam Morek (2015): Unterrichtsgespräche als Erwerbskontext: Kommunikative Gelegenheiten für bildungssprachliche Praktiken erkennen und nutzen. https://www.forumlecture.ch/sysModules/obxLeseforum/Artikel/548/2015_3_Heller_Morek.pdf [Zugriff: 11.02.2026].
Heller, Vivien/Noelle Kinalzik/Valentin Schneider/Miriam Morek (2020): Gelegenheiten für diskursives Lernen schaffen. Handreichung für Lehrkräfte im Projekt Sprachbildung interaktiv. Wuppertal: Sprachbildung interaktiv (Sprint).
Honnef-Becker, Irmgard/Peter Kühn (2019): Sprechen und Zuhören im Deutschunterricht. Bildungsstandards – Didaktik – Unterrichtsbeispiele. Tübingen: Narr Francke Attempto Verlag.
Gruppe 2 von Markus Grzella:
Dass die Gesprächsanalyse für eine unterrichtliche Praxis Relevanz hat, scheint zunächst nicht offensichtlich. Setzt man sich allerdings mit einer gesprächsanalytischen Methodik auseinander, ändert sich oft der Blick auf die kommunikative Interaktion im Unterricht. Denn eine genaue Betrachtung der Unterrichtsgespräche offenbart schnell Potenziale aufseiten der Lehrkräfte und der Schülerinnen und Schüler. Der Blick im Seminar wird hierbei sowohl auf analytischer als auch praktischer Ebene auf diskurserwerbsförderliches Handeln gelegt.
Das Seminar findet in Präsenz statt und sieht neben moderierten Seminarsitzungen auch Lernstationen, die in Kleingruppen bearbeitet werden, vor. |