Gruppe 1: Prof. Dr. Magdalena Kißling: Schulkanon revisited
In dem Seminar wird der schulische Literaturkanon als historisch gewachsenes und nicht neutrales Konstrukt kritisch hinterfragt. Ein theoretischer Teil perspektiviert, welche Ausschlussmechanismen im traditionellen Kanon wirksam sind und welche Perspektiven lange marginalisiert wurden. Auf dieser Basis beschäftigen wir uns mit grundlegenden Fragen der Textauswahl in der Migrationsgesellschaft, die ganz unterschiedlich beantwortet werden. Während ein Ansatz favorisiert, ‚Literaturklassiker‘ nicht auszusortieren, sondern sie neu zu lesen und Unterricht diversitätssensibel zu modellieren, rückt das Seminar eine zweite Herangehensweise ins Zentrum: die Kanonerweiterung. In den Blick geraten postmigrantische Erzähl- und Darstellungsweisen vom Bilderbuch über den Versroman bis zum Theater. Ziel ist es, postmigrantische Texte kennen- und (in ihren Intersektionen) lesen zu lernen, um sie didaktisch reduzieren und diversitätssensibel für den Unterricht besprechbar machen zu können.
Anzuschaffen und vorbereitend zu lesen sind
- Andrea Karimé: Antennenkind
- Chantal-Fleur Sandjon: Die Sonne, so strahlend und Schwarz
- Olivia Wenzel: 1000 Serpentinen Angst
Gruppe 2: Prof. Dr. Magdalena Kißling: Serialitätsdidaktik
Serien haben sich zum beliebtesten audiovisuellen Fictionangebot über alle Altersstufe hinweg entwickelt; seit der Jahrtausendwende ist ein regelrechter Serienboom zu verzeichnen. Neben Fernsehserien spielen nach wie vor Buchserien im Alltag von Kindern und Jugendlichen eine wichtige Rolle und so verwundert es nicht, dass serielles Erzählen über verschiedene Medien hinweg verstärkt in den Fokus der literaturwissenschaftlichen und -didaktische Forschung rückt. Zahlreiche Fachzeitschriften (z.B. Der Deutschunterricht, Praxis Deutschunterricht, leseforum, kjl&m) sowie Sammelbände (u.a. Anders/Staiger 2016; Kretschmar/Brendel-Perpina 2021) haben sich in den letzten Jahren dem seriellen Erzählen gewidmet. In der Schule hingegen ist vom Boom des Seriellen noch wenig zu spüren. Um Serialität als narratives Formprinzip und Rezeptionsmuster für literarisches Lernen und Leseförderung wahrzunehmen, bedarf es der (weiter-)Entwicklung einer Serialitätsdidaktik. Wie das konkret aussehen kann, lotet das Seminar an Beispielserien in Buch- und Fernsehformat aus.
Vorbereitend zu rezipieren sind
- Scott Frank: Das Damengambit (Netflix 2020)
- Amy Sherman-Palladino: Gilmore Girls (2000-2007)
- Theodor Fontane: Irrungen & Wirrungen sowie Unterm Birnbaum
Gruppe 3: Dr. Philipp Böttcher
‚Inklusion‘ und die damit verbundenen bildungspolitischen Vorgaben gehören zu den zentralen gegenwärtigen Herausforderungen der Literaturdidaktik. Sie muss diese zum einen kritisch reflektieren, zum anderen unterrichtspraktisch konzeptualisieren. Das Seminar bietet eine Einführung in den inklusiven Literaturunterricht. Aus theoretischer, didaktisch-methodischer, rechtlich-politischer und empirischer Perspektive beschäftigen wir uns mit der Frage, wie, unter welchen Bedingungen und in welchen Spannungsfeldern „Lernen für alle und mit allen“ besser gelingen kann. Einem weitem Inklusionsverständnis folgend, arbeiteten wir uns im Seminar in die unterschiedlichsten Vielfaltsdimensionen ein und erörtern gemeinsam in Auseinandersetzung mit literarischen Texten, wie der Umgang mit Heterogenität als Kernaufgabe des Literaturunterrichts praxisorientiert gestaltet werden kann. Der genaue Seminarplan und die zu erbringenden Studienleistungen werden in der ersten Sitzung bekanntgegeben.
Gruppe 4: Dr. Laura Lewald-Romahn: Medienkompetenz, Medienästhetik, Medienökonomie – Social Media im Deutschunterricht
Achtung: die Vorbesprechung ist auf den 24.04.2026, 16-18 Uhr verschoben.
Die kritische Reflexion sozialer Medien gewinnt für einen Deutschunterricht, der das Social Web als Handlungsfeld wahrnimmt, immer mehr an Bedeutung. Die sozialen Medien sind keine neutralen Plattformen, sondern meinungsbildend, algorithmisiert und ökonomisiert. Wir werden zunächst medienwissenschaftliche und -didaktische Grundlagen erarbeiten. Anschließend analysieren wir verschiedene Formen des Social Web. Im Zentrum des ersten Seminarteils stehen manipulative und ästhetisierte Gestaltungsweisen am Beispiel von BlindBox-Unboxing-Videos. Daran schließt sich das Thema der (Medien-)Wirkung und die Bedeutung von Mediennostalgie durch internationale Medienverbünde an. Im Zentrum des zweiten Seminarteils stehen TikTok-Challenges und die kritische Verbindung von Adoleszenz und Performanz an der Grenze zur Medienpädagogik. Daran angeschlossen sind Fragen nach medialer Inszenierung und medienkultureller Phänomene durch den Einfluss von Plattformlogiken. Beide Themenfelder werden im Hinblick auf ihre didaktische Umsetzung besprochen, sodass fachlich fundierte Unterrichtsarrangements entwickelt werden können. Eine aktive Teilnahme wird erwartet – diese umfasst insbesondere das kooperative Erarbeiten und Präsentieren eigener Unterrichtsimpulse. Der Schwerpunkt des Seminars liegt auf der Sekundarstufe I. Die Literatur, die Studienleistungsbedingungen sowie das Moodle-Passwort werden in der ersten Sitzung bekannt gegeben.
Gruppe 5: Dr. Liane Schüller: Literarische Sprache im Deutschunterricht
In diesem Seminar wollen wir die Perspektive der Literaturdidaktik und der Sprachdidaktik – auch mit Blick auf Gegenstände Literaturwissenschaft und Linguistik – zusammenführen. Dazu werden wir an konkreten Textbeispielen eine didaktische Perspektive auf die Auseinandersetzung mit literarischen Texten und literarischer Sprache im Deutschunterricht entwickeln, in der die beiden Kompetenzfelder Untersuchung von Sprache und Auseinandersetzung mit literarischen Texten aufeinander bezogen und verknüpft werden.
Anhand ausgewählter Textbeispiele aus unterschiedlichen literarischen Gattungen werden wir uns mit Merkmalen literarischer Sprache auseinandersetzen. Dabei werden Funktionen und Wirkungen literarischer und sprachlicher Gestaltungsentscheidungen auf unterschiedlichen Ebenen – mit Blick auf Aspekte von Poezität und Literarizität, aber auch Graphie, Lexik, Syntax, sprachlicher Variation und Textgliederung – unter der Perspektive der Kommunikation zwischen Autor:in und Leser:in betrachtet.
Eine in das Seminar integrierte Literarische Schreibwerkstatt eröffnet den Teilnehmenden die Gelegenheit, eigene Erfahrungen mit Formen des kreativen, literarischen Schreibens und mit den Potenzialen einer darauf bezogenen Sprach- und Schreibreflexion zu sammeln und das Bewusstsein für Sprache als wesentlicher Bedeutungsträgerin von literarischen Texten weiter zu entwickeln. Davon ausgehend werden wir in den Seminarsitzungen didaktische Konzepte für die Einbindung verschiedener Methoden in den Deutschunterricht diskutieren.
Den Abschluss des Seminars bildet eine hochschulöffentliche Lesung im Café der Brücke, in deren Rahmen ausgewählte Ergebnisse aus der Werkstattarbeit einem interessierten Publikum vorgestellt werden.
Hinweis zur Workload:
Die Teilnahme an den Terminen der Literarischen Schreibwerkstatt ist Teil des Seminars und für den Erwerb der Studienleistung obligatorisch. Entsprechend werden die regulären Seminarsitzungen nicht wöchentlich, sondern zu acht Terminen im Semester stattfinden, die in der 1. Seminarsitzung bekannt gegeben werden.
Hinweis zur Anmeldung und zur Anrechenbarkeit:
Anmeldung: Mit Ihrer Bewerbung um einen Seminarplatz nehmen Sie zur Kenntnis, dass die Termine der Schreibwerkstatt Teil des regulären Seminarprogramms sind. Wir gehen davon aus, dass Sie diese Termine fest in Ihren Semesterplan einplanen.
Anrechenbarkeit: Das Seminar findet fächervernetzend statt und kann entweder für den Teilbereich Sprachdidaktik oder für den Teilbereich Literaturdidaktik angerechnet werden. Die Anrechenbarkeit ergibt sich mit der Seminarzulassung.
- Wenn Sie das Seminar für den Bereich Literaturdidaktik anrechnen lassen möchten, bewerben Sie sich bitte um einen Seminarplatz im Seminar Literarische Sprache im Deutschunterricht von Dr. Liane Schüller.
- Wenn Sie das Seminar für den Bereich Sprachdidaktik anrechnen lassen möchten, bewerben Sie sich bitte um einen Seminarplatz im Seminar Sprache und Sprachgebrauch untersuchen: Literarische Sprache von Prof. Dr. Michael Beißwenger.
Die Sitzungen der beiden Seminare finden als gemeinsame Sitzungen statt. |