G1 (Schmalenberg): Selten hatte ein Begriff in gesamtgesellschaftlichen wie auch in allgemeindidaktischen Diskursen eine derartige Hochkonjunktur wie der Begriff der Inklusion. Seit der Ratifizierung der UN-Behindertenrechtskonvention 2009 und der damit einhergehenden Schaffung rechtlicher Rahmenbedingungen und bildungspolitischer Vorgaben für die Umsetzung schulischer Inklusion sehen sich die Fachdidaktiken mit der Herausforderung konfrontiert, Konzepte zur Realisierung des gemeinsamen Lernens zu entwickeln, zu erproben und kritisch zu reflektieren (vgl. Hochstadt/Olsen 2019, 8; Lipkowski/Schüller 2023, 7). Im Deutschunterricht gilt es daher, beispielsweise im Bereich des Schreibens Settings zu schaffen, in denen alle Kinder die Möglichkeit haben, schriftsprachliche Erfahrungen zu sammeln und entsprechende Kompetenzen auszubauen (vgl. Diroll et al. 2020).
Ausgehend von einem weiten Inklusionsverständnis (u. a. Bock 2019, 32) sollen Sie im Rahmen des Seminars einen ersten Einblick in Potenziale eines inklusiven Schreibunterrichts bekommen: Was ist eigentlich Schreibkompetenz? Wie diagnostiziere und fördere ich Schreibfähigkeiten? Wie gestalte ich inklusive Schreibarrangements? Einen Schwerpunkt bildet dabei das Konzept des individuell bedeutsamen Schreibens nach Leßmann (2025). Anhand authentischer Beispiele erproben und reflektieren Sie zudem erste Teile einer schriftlichen Unterrichtsplanung (u. a. Verlaufsplanung einer Stunde, Lernausgangslage) und entwickeln Ideen für mögliche Studienprojekte im Praxissemester.
Literatur:
Bock, Bettina M. (2019): Inklusion – sprachdidaktisch. Überlegungen zu Begriff und Diskurs, Einführungen und Erweiterungen. In: Didaktik Deutsch, Jg. 24, H. 47, 28-43.
Diroll, Celina/Claudia Müller-Brauers/Dorothee Meyer (2020): Inklusive Schreibdidaktik. https://www.kinderundjugendmedien.de/fachdidaktik/3768-inklusive-schreibdidaktik [Zugriff: 11.02.2026].
Hochstadt, Christiane/Ralph Olsen (2019): Deutschunterricht und Inklusion. In: Hochstadt, Christiane/Ralph Olsen (Hgg.): Handbuch Deutschunterricht und Inklusion. Weinheim [u. a.]: Beltz, 8-13.
Leßmann, Beate (2025): Schreiben eigener Texte. Wohin geht die Reise? Grundlegung. In: Leßmann, Beate (Hg.): Schreiben eigener Texte. Wohin geht die Reise? Perspektiven und Erfahrungen aus Unterricht, Schulentwicklung und Forschung. Frankfurt a. M.: Grundschulverband, 11-60.
Lipkowski, Eva/Liane Schüller (2023): Deutschunterricht und Inklusion. Lesen, Schreiben und Beeinträchtigungen der schriftlichen Kommunikation. Münster [u. a.]: Waxmann.
G2 (Bartz): Im Seminar befassen wir uns mit der Domäne Lesen und bearbeiten die Frage, wie im inklusiven Deutschunterricht der Grundschule Schüler/-innen beim Dekodieren von Wörtern und dem Textverstehen am besten begleitet sowie hinsichtlich ihrer Lesekompetenzen getestet und gefördert werden können. Weitere Hinweise, auch zu seminarrelevanter Literatur, erhalten Sie zu Semesterbeginn im Seminar bzw. über den zugehörigen Moodle-Kursraum.
G3 (Jagdschian und Fladung): Diese Seminargruppe wird im Co-Teaching geleitet. Inhaltlich stehen sprachdidaktische und literaturdidaktische Perspektiven auf einen inklusiven Literaturunterricht in der Grundschule im Fokus. Theoretische Grundlagen sollen mit möglichst praxisnahen Zugängen für einen inklusiven Lese- und Literaturunterricht verbunden werden. Im Verlauf des Semesters werden Sie auch Einblick in die Unterrichtsplanung (Sach-, didaktische und methodische Analyse) bekommen und Gelegenheit haben, erste Ideen für die Ausgestaltung von Praxissemester-Studienprojekten zu generieren. Basislektüre für den Kurs ist der Kinderroman "Wunder" von Raquel J. Palacio. Bitte schaffen Sie sich den Text zur 1. Sitzung an.
Literatudidaktische Perspektive: Inklusion nimmt sukzessive Einfluss auf die Bedingungen der Gestaltung von Unterricht (vgl. dazu von Brand/Brandl 2017). Betrachtet man Aspekte von Inklusion aus einer machtkritischen bzw. diversitätssensiblen Perspektive, so werden im Umgang mit Literatur neben der Differenzkategorie disability auch weitere Kategorien wie race, gender und class kritisch aufgedeckt, mit dem Ziel, gesellschaftliche Bedingungen der Exklusion zu dekonstruieren. An diesem Punkt setzen wir im Seminar an. Am Beispiel ausgewählter aktueller sowie historischer Bilderbücher diskutieren Sie, welche Potentiale sie aufweisen.
Sprachdidaktische Perspektive: Die Seminarsitzungen sind entlang der zentralen professionellen Praktiken von Lehrkräften im inklusiven Unterricht strukturiert ("Core practices",vgl. bspw. Grossman, Hammerness & McDonald, 2009): (1) Identifizieren schülerseitiger Voraussetzungen und Ressourcen, (2) Ableiten individueller und gemeinsamer Lern- und Förderziele, (3) Schaffen adaptiver Lernumgebungen und (4) Anstoßen, Steuern und Begleiten von Lernprozessen. Ein Schwerpunkt liegt auf der Frage, wie Deutschunterricht die Aneignung der ‚technischen‘ Seite des Dekodierens von Wörtern und des Textverstehens am besten unterstützen kann, vor allem für leseschwache Schüler:innen (Rosebrock et al., 2017).
Literatur
Bock, B. (2019): Inklusion – sprachdidaktisch. Überlegungen zu Begriff und Diskurs, Einführungen und Erweiterungen. In: Didaktik Deutsch, Jg. 24, H. 47, 28–43.
Rosebrock, C. & Nix, D. (2017): Grundlagen der Lesedidaktik und der systematischen schulischen Leseförderung. Schneider Hohengehren.
Brand, T. von & Brandl, F.,. (2017): Deutschunterricht in heterogenen Lerngruppen : Individualisierung - Differenzierung - Inklusion in den Sekundarstufen. Klett.
Grossman, P., Hammerness, K., & McDonald, M. (2009): Redefining teaching, re-imagining teacher education. In: Teachers and Teaching: Theory and Practice, 15 (2), 273–289.
G4 (Böttcher): ‚Inklusion‘ und die damit verbundenen bildungspolitischen Vorgaben gehören zu den zentralen gegenwärtigen Herausforderungen der Literaturdidaktik. Das Seminar bietet eine Einführung in einen inklusiven und diversitätssensiblen Literaturunterricht. Mit Fokus auf die Kinder- und Jugendliteratur und den Perspektiven eines weiten Inklusionsverständnisses folgend setzen wir uns mit theoretischen Debatten um die Inklusions- und Diversitätsdidaktik ebenso auseinander wie mit literaturhistorischen Entwicklungen und aktuellen literarischen Beispielen. Die Teilnahme am Seminar setzt die Bereitschaft zu umfangreicher Lektüre und regelmäßiger Mitarbeit voraus. |