Wie man auf Personen sprachlich Bezug nimmt, ist ein spannender linguistischer Gegenstand, weil je nach gewähltem Mittel die Person unterschiedlich perspektiviert und verschiedene Haltungen zu der Person angezeigt werden können. Etwa kann man sich auf den derzeitigen deutschen Bundeskanzler beziehen mit Herr Merz, der Bundeskanzler (Friedrich Merz), der CDU-Chef oder einfach mit Merz oder sogar der Merz.
Im Seminar befassen wir uns mit diesen und ähnlichen Arten der Personenreferenz. So werden wir der Frage nachgehen, warum konventionalisierte Anreden so häufig unter männlichen Jugendlichen genutzt werden, aber auch einem ständigen Wandel unterliegen (z.B. von Alter zu Digga hin zu Bruder oder Habibi), warum in manchen regionalen Varietäten Personennamen in der gesprochenen Sprache fast immer mit Artikel vorkommen (z.B. der Martin), welchen Effekt es hat, wenn in Pressetexte auf Politiker:innen oder Spotler:innen mit indefiniten Artikeln Bezug genommen wird (z.B. ein Ronaldo, ein Friedrich Merz) oder welche Möglichkeiten des gendersensiblen Referierens es gibt und warum der Gebrauch gegenderter Formen im öffentlichen Diskurs so stark polarisiert.
Das Seminar ist stark forschungsorientiert konzipiert. D.h. neben der Rezeption von bestehenden Forschungstexten werden Sie als Studierende selbst forschend tätig und untersuchen ein eigens gewähltes sprachwissenschaftliches Phänomen aus dem Themenbereich des Seminars. Das Seminar ist als Blockseminar organisiert. Die erste Sitzung findet digital statt. Informationen dazu erhalten Sie vorab per E-Mail. |