| Kommentar |
Das Seminar widmet sich dem Tempussystem des Deutschen und der Frage, wie Tempusformen im Sprachgebrauch tatsächlich verwendet werden. Während das Präteritum prototypisch Vorzeitiges bezeichnet (z.B. Im Jahr 476 ging das Weströmische Reich unter.) und das Präsens Gleichzeitiges ausdrückt (z.B. Sie schläft jetzt.), zeigt der Sprachgebrauch, dass Tempusformen deutlich flexibler eingesetzt werden können – etwa wenn das Präsens zur Darstellung vergangener Ereignisse dient (z.B. Im Jahr 476 geht das Weströmische Reich unter.). Im Seminar untersuchen wir insbesondere die Vergangenheitstempora des Deutschen und ihre Variation. Dabei werden sowohl standardsprachliche Formen (Präteritum, Perfekt, Plusquamperfekt) als auch nichtstandardsprachliche Varianten wie das sog. Doppelperfekt (Sie hat gesehen gehabt) behandelt und in Bezug darauf analysiert, in welchen Kontexten und warum wir diese Varianten nutzen. Das Seminar besteht aus zwei Teilen. Im ersten Teil bearbeiten Sie die einschlägige Forschungsliteratur, in der Funktionen und Gebrauch der Tempora untersucht werden. Im zweiten, empirischen Teil lernen Sie linguistische Korpora wie das Deutsche Textarchiv (DTA) und die Datenbank für Gesprochenes Deutsch (DGD) kennen und führen auf dieser Grundlage eigene korpusbasierte Untersuchungen zum Tempusgebrauch in mündlicher und schriftlicher Sprache durch. |