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Organisatorischer Hinweis:
Das Seminar beginnt in der 2. Woche der Vorlesungszeit am Mittwoch, 22.04.2026. In der ersten Vorlesungswoche findet keine Sitzung statt. Die Sitzung wird am Freitag, 03.07.2026 ab 14 Uhr (c.t.) nachgeholt.
Zum Aufbau des Seminars
Wortbildungen unterschiedlichster Art sind im Alltag omnipräsent: So kommen in Texten mit werbendem Charakter Wortbildungen wie unkaputtbar oder porentief vor, um (angebliche) Eigenschaften von Produkten zu beschreiben (Janich 2010: 152). In politischen Diskursen werden Komposita wie beispielsweise Klimahysterie oder Klimaterrorist genutzt, mit denen bestimmte Diskurspositionen markiert werden (Rebhan 2024: 79). In der internetbasierten Kommunikation verhandeln Online-Gemeinschaften auch über Einzelsprachen hinaus Aspekte digitaler Kollaboration mit Konfixderivaten wie Löschmanie (DE) und cancellomania (IT, Flinz/Gredel 2022: 365ff.).
Vor diesem Hintergrund gibt das Seminar einen Überblick über grundlegende Aspekte der Wortbildung im Gegenwartsdeutschen (Fleischer/Barz 2012 und Eisenberg 2020). Mithilfe von Korpusinfrastrukturen (z.B. DeReKo/ COSMAS II) und einschlägigen digitalen Ressourcen (Wörterbuch der Affixe) sollen Wortbildungsmuster (Stein/Stumpf 2019) empirisch fundiert beschrieben und analysiert werden. Somit befähigt das Seminar die Teilnehmenden zu empirischen Analysen an der Schnittstelle von Morphologie und Text- sowie Diskurslinguistik (Stumpf 2023 und Michel 2024).
Ausgehend von diesen empirischen Analysen sollen auch fachdidaktische und unterrichtspraktische Überlegungen zu Wortbildungskompetenzen angestellt werden. So ist die morphologische Bewusstheit etwa zu Morphemkonstanz ein zentraler Bestandteil allgemeiner Sprachkompetenz und hat Auswirkungen auf die Lese-Rechtschreibfähigkeiten von Lernenden. Idealerweise können Lernende dann auch nach reihenbildenden Wortbildungsmustern bei Bedarf selbstständig Wörter bilden.
Literatur
- Eisenberg, Peter (2020): Grundriss der deutschen Grammatik: Das Wort. 5. Auflage, Berlin: J.B. Metzler.
- Fleischer, Wolfgang/ Barz, Irmhild (2012): Wortbildung der deutschen Gegenwartssprache. Berlin/ Boston: De Gruyter.
- Flinz, Carolina/ Gredel, Eva (2022): Eine kontrastive Korpusstudie zu Konfixderivaten: -phobie/ -fobia und -manie/ -mania im deutsch-italienischen Vergleich. In: Auteri, Laura/ Barrale, Natascia/ Di Bella, Arianna/ Hoffmann, Sabine (Hg.): Wege der Germanistik in transkultureller Perspektive. Frankfurt a. M.: Peter Lang (= Akten des XIV. Internationa-len Germanistenkongresses Palermo, Band 6), 365–380.
- Janich, Nina (2010): Werbesprache: Ein Arbeitsbuch. Mit Einem Beitrag von Jens Runkehl. Tübingen: Narr Francke Attempto Verlag.
- Michel, Sascha (2024): Die Schnittstelle zwischen Morphologie und Diskurslinguistik – Zur Einleitung in diesen Band. In: Michel, Sascha (Hg): Diskursmorphologie: Ansätze und Fallstudien zur Schnittstelle zwischen Morphologie und Diskurslinguistik. Berlin/ Boston: De Gruyter, S. 1–22.
- Rebhan, Lena (2024): „Unwörter“ im Klimadiskurs: Abwertende Komposita aus diskurs- und korpuslinguistischer Perspektive. Linguistica 1, S. 97–118.
- Stein, Stephan/ Stumpf, Sören (2019): Muster in Sprache und Kommunikation. Eine Einführung in Konzepte sprachlicher Vorgeformtheit. Berlin: Erich Schmidt.
- Stumpf, Sören (2023): Wortbildung diamedial. Korpusstudien zum geschriebenen und gesprochenen Deutsch. Berlin/ Boston: De Gruyter.
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