| Bemerkung |
Die meisten wirtschaftswissenschaftlichen Lehrbücher behandeln Geld als technisches Vehikel: es ölt die Räder des Handels, ermöglicht Transaktionen, verschwindet im Hintergrund. Doch wer genauer hinsieht, stößt auf merkwürdige Phänomene. Warum droht ein US-Präsident Ländern mit Krieg, falls sie aufhören würden den USD für Handel zu verwenden? Was ist Dollarisierung und wie können Länder sie beenden? Welche Rolle spielen neue Formen von Geld - Kryptowährungen, Stablecoins, und Digitalwährungen von Zentralbanken?
Dieses Seminar verfolgt die Frage nach Geld und seinem Verhältnis zu sozialer Organisation, wirtschaftlicher Entwicklung, Unterentwicklung, Abhängigkeit und strukturellen Verwundbarkeit.
Das Seminar nähert sich dieser Fragestellung aus einer interdisziplinären Perspektive, die wirtschaftshistorische, entwicklungstheoretische, finanztheoretische und politökonomische Zugänge miteinander verbindet. Im Zentrum steht die Beobachtung, dass Geld nicht nur in seiner Funktion als Tausch- und Wertaufbewahrungsmittel untersucht werden kann, sondern auch als Instrument der Organisation von Produktionsverhältnissen und als Kristallisationspunkt sozialer und politischer Konflikte. Diese Perspektive gewinnt vor dem Hintergrund aktueller Entwicklungen an Brisanz: Die Diskussion um eine mögliche Erosion der Dollar-Dominanz im internationalen Währungssystem, die Entstehung neuer digitaler Geldformen (Stablecoins, Central Bank Digital Currencies (CBDCs) sowie anhaltende Währungs- und Verschuldungskrisen verweisen auf die Notwendigkeit, Geld in seinem Verhältnis zu globalen Machtasymmetrien zu analysieren.
Das Seminar ist in drei thematische Blöcke gegliedert, die unterschiedliche Dimensionen des Verhältnisses von Geld und Unterentwicklung beleuchten:
1) Konstitution imperialer Geldordnungen und produzierte Unterentwicklung 2) Der US Dollar als globales System 3) Neue Geldformen - Stablecoins, Cryptowährungen und CBDCs
Methodisch verbindet das Seminar historische Analyse mit gegenwartsbezogener Forschung. Es führt in zentrale theoretische Debatten der Politischen Ökonomie des Geldes, der Entwicklungsökonomie und der Geldsoziologie ein, ohne eine bestimmte Theorieschule vorauszusetzen. Ziel ist es, analytische Werkzeuge zu erarbeiten, die eine eigenständige Untersuchung der komplexen Beziehung zwischen Geld, Macht und Unterentwicklung ermöglichen.
Arbeitsgrundlage sind deutsch- und englischsprachige Texte; Bereitschaft zur Lektüre auch längerer Originaltexte wird erwartet.
Sitzungsübersicht: https://uni-duisburg-essen.sciebo.de/s/dim8WWdpQK2oYoy |