| Kommentar |
Eine gemeinsame „Geschichte“ ist unabdingbar für die Dauerhaftigkeit jeder sozialen Gruppe. Während sich antike Siedlungsgemeinschaften oft mit der Rückführung auf einen Gründerheros begnügten, stiftete unter den sonst miteinander rivalisierenden Aristokraten das kontinuierliche Festhalten an bestimmten Idealen Zusammenhalt. Im Seminar soll untersucht werden, in welcher Weise diese klare Normorientierung der Aristokraten ihre jeweilige geschichtliche Erinnerung geprägt und wie die Bedrohungen dieser aristokratischen Werte, sei es durch Könige, durch Tyrannen oder gar durch das einfache Volk, verarbeitet wurden. Für Griechenland soll das an den homerischen Epen, den Berichten über die archaischen Tyrannen, den Lyrikern (z.B. Pindar) im Dienst einzelner Adelshäuser, den Autoren langer Genealogien und an Geschichtsschreibern wie Herodot, für Rom am vorliterarischen Erinnerungsmodus der Nobilität (durch Leichenreden und Monumente), an der senatorischen Geschichtsschreibung sowohl in der Republik als auch in der Kaiserzeit (v.a. Tacitus) untersucht werden. |
| Literatur |
H. van Wees & N. Fisher, The Trouble with ‘Aristocracy’, in: N. Fisher & H. van Wees (Hgg.), ‘Aristocracy’ in Antiquity. Redefining Greek and Roman Elites, Swansea 2015, S. 1-57
U. Walter, Memoria und res publica. Zur Geschichtskultur im republikanischen Rom, Frankfurt/M. 2004 |