| Kommentar |
Auch im geisteswissenschaftlichen Kontext gewinnt die Anwendung digitaler Methoden für die Analyse von Aspekten sozialer Interaktion und gesellschaftlicher Diskurse zunehmend an Bedeutung. Daher scheint auch im Studium ein reflektierter methodisch kritischer Zugang zu digitalen Methoden wichtig. Im Seminar wollen wir exemplarisch am Beispiel digitaler Korpora zu sozialer Interaktion die Methoden der Erhebung und systematischen Erschließung von Daten, die Konstitution eines strukturierten Datenkorpus sowie darauf basierende analytische Zugänge kennenlernen. Diese reichen von der Erhebung von audiovisuellen Aufnahmen und mobilem EyeTracking über Fragen der Transkription, Annotation und Kodierleitfäden (manuell vs. mittels KI), ihrer Verbindung mit sensorbasierten Daten hin zum analytischen Rüstzeug der Korpuslinguistik. Während es für verbalsprachliche bzw. textuelle Daten im Rahmen der Korpuslinguistik eine reiche Tradition gibt, bietet die Integration von multimodalen Aspekten sozialer Interaktion (z.B. Blick, Gestik, Bewegungen etc.) aktuell noch eine Reihe an Herausforderungen nebst erster Lösungsansätze. Anhand des Referenzkorpus "FOLK / DGD" am IDS Mannheim und der kürzlich an der UDE eingerichteten Korpus-Infrastruktur "ZuMult" wollen wir die verschiedenen Aspekte des Arbeitens mit digitalen Korpora erproben, unsere UDE-ZuMult-Instanz selbst mit Daten bestücken und deren Auswertbarkeit überprüfen. Ziel der exemplarischen Auseinandersetzung mit den Details des Konstitutieren und Arbeitens mit einem Korpus zu multimodaler Interaktion ist der Erwerb von transferierbaren Kenntnissen als ein Baustein im Erwerb von "Digital Literacy". |
| Literatur |
Zum Einstieg: DGD (Datenbank gesprochenes Deutsch): https://dgd.ids-mannheim.de/dgd/pragdb.dgd_extern.welcome FOLK: https://agd.ids-mannheim.de/folk.shtml ZuMult: https://zumult.org Schmidt, Thomas (2022): Korpora gesprochener Sprache. In: Beißwenger, Michael/Lemnitzer, Lothar/Müller-Spitzer, Carolin (Hrsg.): Forschen in der Linguistik. Eine Methodeneinführung für das Germanistik-Studium. Paderborn: Brill/Fink, 2022. S. 421-430. |