Die Europäische Union ist das wohl anspruchsvollste demokratische Experiment der Moderne: Über 400 Millionen Bürger:innen sollen in einem politischen System mitregieren, das weder ein klassischer Nationalstaat noch eine bloße internationale Organisation ist. Daher stellt sich bei der EU im Besonderen die Frage, wie demokratische Prozesse funktionieren und auf welchen Wegen Bürger:innen am politischen Prozess teilnehmen können.
Dieses Seminar nähert sich dieser Frage auf zwei Ebenen gleichzeitig. Auf der politikwissenschaftlichen Ebene lernen Studierende, wie man ein komplexes politisches Phänomen systematisch analysiert. Wir beschäftigen uns zuerst mit der Rolle von Theorien im wissenschaftlichen Arbeiten und dr Entwicklung einer Forschungsfrage, dann mit der Auswahl einer angemessen Methodik und der Eintwicklung eines Forschungsdesigns. Inhaltlich fokussieren wir dabei Demokratie- und Partizipationstheorien sowie empirische Partizipationsmuster in der Europäischen Union. So werden Studierende in die Lage versetzt, eine eigenständige wissenschaftliche Arbeit zu verfassen.
Auf der fachdidaktischen Ebene denken wir die Frage mit: Was bedeutet das alles für den Beruf als Lehrkraft? Aktuelle Studien zeigen, dass es in der politischen Bildung in Schulen, besonders mit Blick auf die Europäische Union, dringenden Nachholbedarf gibt. Welche Einstellungen und Perspektiven zur demokratischen Beteiligung auf europäischer Ebene gibt es unter Schüler:innen? Wie erklärt man ihnen, warum Europawahlen und Partizipation generell wichtig sind? Wie weckt man Interesse an einer politischen Ebene, die vielen weit weg erscheint? Und wie bildet man junge Menschen zu mündigen, partizipationsfähigen EU-Bürger:innen aus?
Diese Perspektive auf die Zukunft als Lehrer:in ist dabei nicht gelegentliches Beiwerk, sondern fester Bestandteil des Kurses und findet sich in vielen Seminarsitzungen wieder.
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