| Kommentar |
Glaubt man dem Alltagsverstand, ist der Gegenbegriff zu „Leben“ möglicherweise nicht „Tod“, sondern „Bürokratie“. Verwaltungen und andere formale Organisationen, so das Stereotyp, verwandeln die Geschichten und Schicksale ihrer Klienten in Akten, ihre Mitarbeiter in Automaten, und Spontaneität und individuelle Urteilskraft in Dienst nach Vorschrift. Die antiorganisationalen Affekte sind entsprechend groß. Auf der symbolischen Ebene werden unter allgemeinem Beifall Abrissbirnen und Kettensägen als Werkzeuge des Bürokratieabbaus angepriesen, in der Praxis jedoch schnell durch Kommissionen und Planstellen zum Bürokratieabbau ersetzt, die sich nach einiger Zeit nahezu bruchlos in die Verwaltungslandschaft einfügen. In der Lehrveranstaltung wird systematisch reflektiert, warum formale Organisation und Verwaltung scheinbar so unverzichtbar für die moderne Gesellschaft sind, und wie Kommunikationsverhältnisse durch formale Organisation beeinflusst werden. Was geschieht mit Kommunikation, wenn sie im Rahmen hierarchischer Dienstverhältnisse oder formaler Verfahren stattfindet? Sind formale Organisationen ein Hort von Rationalität und Effizienz – oder institutionalisieren sie eine Kultur der Verantwortungslosigkeit und kollektiver Irrationalität? Für die Veranstaltung sind keine besonderen Vorkenntnisse nötig; weitere Details werden zu Beginn der Lehrveranstaltung bekanntgegeben. |