| Kommentar |
Dem philosophischen Kanon mangelt es an Diversität. Nicht nur gehören dem Standardrepertoire verhältnismäßig wenige Frauen an, sondern auch verhältnismäßig wenige Nicht-Europäer*innen. Die akademische Philosophie führt daher seit einigen Jahren eine intensive Diskussion über ihren Eurozentrismus. Manche sprechen gar von ‚Euromonopolismus‘, weil nicht-europäisches Denken systematisch verdrängt werde. Die Kanondebatte betrifft den Philosophie- und Ethikunterricht in der Schule in konzentrierter Form: Wen präsentiert man heute jungen Philosophieinteressierten als Philosoph*in? Welches Denken darf als ‚Grundlage‘ gelten, die man Schüler*innen mit auf den Weg gibt? Welche Nachteile, aber auch Funktionen erfüllt ein Kanon allgemein?
Nachdem diese Fragen in den ersten Seminarsitzungen besprochen wurden, widmet sich der Rest des Seminars den verschiedenen Alternativen der Problemlösung: Wie kann ein diverserer Kanon gestaltet werden? In welchen Hinsichten ist er wünschenswert? Und wie soll man in Zukunft mit der europäischen Philosophie umgehen? Das Seminar zeigt Optionen auf und lässt sie ergebnisoffen debattieren. Die Studierenden erhalten hier keine klaren Handlungsempfehlungen, sondern sie lernen, Argumente für und gegen die verschiedenen Wege zu einem inklusiveren Kanon abzuwägen. |
| Literatur |
Elberfeld, Rolf (2021): Dekoloniales Philosophieren, Abschnitt „Heroisierung der okzidentalen Philosophiegeschichte im Namen der universalen Vernunft“, Hildesheim, S. 117–122.
Garfield, Jay/Van Norden, Bryan (2016): If Philosophy Won’t Diversify, Let’s Call It What It Really Is: https://www.nytimes.com/2016/05/11/opinion/if-philosophy-wont-diversify-lets-call-it-what-it-really-is.html
Park, Peter: Africa, Asia, and the History of Philosophy: Racism in the Formation of the Philosophical Canon, 1780–1830, „Introduction“, S. 1-9
Purtschert, Patricia (2012): „Postkoloniale Philosophie. Die westliche Denkgeschichte gegen den Strich lesen“. In: Julia Reuter/Alexandra Karentzos (Hg.): Schlüsselwerke der Postcolonial Studies. Wiesbaden, S. 343–354. |