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Gruppe 1: Familiendramen. Dysfunktionale Familien in der Dramatik des 18. Jahrhunderts (Prof. Dr. Lily Tonger-Erk)
Abwesende Mütter, versagende Väter, ungehorsame Töchter und verfeindete Brüder – die Dramatik des 18. Jahrhunderts kennt keine glücklichen Familien, und entwirft dennoch deren bürgerliches Ideal. Im Seminar werden wir die familiären Konstellationen dramatischer Figuren in Texten von Lessing, Lenz, Klinger, Schiller und Kotzebue vor dem Hintergrund bürgerlicher Familiendiskurse des 18. Jahrhunderts untersuchen.
Gruppe 2: Auf klassischem Boden begeistert. Lyrik der Kunstepoche (1770-1830)
Die von Heinrich Heine rückblickend als »Goethesche Kunstepoche« bezeichnete Zeit von 1770 bis 1830 stellt einen unumstrittenen Höhepunkt der deutschen Literaturgeschichte dar, bildet dabei aber keinesfalls eine Einheit, sondern umfasst die höchst unterschiedlichen Epochen des Sturm und Drang, der Weimarer Klassik und der Romantik. Das Seminar möchte anhand der überaus reichhaltigen lyrischen Produktion dieser Zeit mit den wichtigsten ästhetischen und poetologischen Konzepten der genannten Epochen vertraut machen und dabei auch in die Interpretation lyrischer Texte einführen. Der Vielseitigkeit in gattungstypologischer Hinsicht (Volkslied, Sonett, Elegie, Ode etc.) entspricht ein breites thematisches Spektrum, das gleichermaßen Naturlyrik, Liebeslyrik und Gedankenlyrik umfasst. Neben der Lyrik Goethes sollen Gedichte von Schiller, Hölderlin, Novalis, Brentano, Eichendorff im Zentrum der Seminararbeit stehen, die durch einen abschließenden Blick auf die frühe Lyrik Heines und seine in der Schrift Die romantische Schule formulierte Kritik an der »Kunstepoche« perspektiviert wird.
Gruppe 3: Das Werk Thomas Bernhards - fällt leider aus -
Gruppe 4: Lyrik der Romantik (Stephanie Wollmann)
Die Lyrik der Romantik, geprägt durch Themen wie Sehnsucht, Naturmystik, Nachtmotive oder die Suche nach dem Unendlichen, hat die deutschsprachige Literatur nachhaltig geprägt. Im Rahmen des Seminars möchten wir der Frage nachgehen, wie romantische Dichter:innen ihre Welterfahrung in lyrische Form übersetzen und welche ästhetischen, philosophischen und gesellschaftlichen Spannungen dabei sichtbar werden. Dazu werden wir anhand exemplarischer Gedichtanalysen zentrale Motive, Formexperimente und poetologische Reflexionen der Epoche erarbeiten.
Als Textgrundlage dient die von Wolfgang Frühwald herausgegebene Anthologie „Gedichte der Romantik“ (Reclam, 2018), die ein breites Spektrum an Autor:innen versammelt, von Dorothea Schlegel und Novalis über Karoline von Günderrode bis hin zu Heinrich Heine und Luise Hensel. Über die Einzelanalysen soll ein differenziertes Bild romantischer Lyrik entwickelt werden, das auch weniger bekannte Autor:innen einbezieht und damit über kanonische Lektüren hinausgeht.
Gruppe 5: Die Novemberrevolution in der Literatur der Weimarer Republik (Dr. Philip Iser)
Die sog. ›Novemberrevolution‹ von 1918/19 ist heute – bis auf eine kurzzeitige Revitalisierung in den Jahren 2018 und 2019 – weitgehend aus dem kollektiven Gedächtnis verschwunden. Dabei handelt es sich um einen überaus wichtigen Ereigniskomplex für die weitere Entwicklung der jungen deutschen Demokratie, der indes während der Zeit der Weimarer Republik Gegenstand heftiger politischer Debatten und Kämpfe um die Deutungshoheit der jüngsten Vergangenheit war. Gegenstand des Seminars ist die Auseinandersetzung mit der ›Novemberrevolution‹ in der Literatur Weimarer Republik. Im Fokus stehen dabei Fragen nach der öffentlichen Funktion von Literatur und der (Be-)Wertung politischer Umbrüche. Ausgehend vom historischen Hintergrund der Revolutionsereignisse der Jahre 1918 und 1919 werden wir eine Auswahl von Romanen (und ein Theaterstück) lesen und hinsichtlich der Spezifika ihrer Darstellung der Novemberrevolution untersuchen. Einige Leitfragen sind dabei: Wie werden die revolutionären Ereignisse in den jeweiligen Texten dargestellt und bewertet (und von wem)? Welche Rolle spielen die politischen Verhältnisse zur Zeit ihres Entstehens, d.h. in welchem Verhältnis steht die ›Gegenwart‹ des Textes zur historischen Gegenwart der Revolution von 1918/19? Und weiter: Lassen sich Konjunkturen und Deutungsmuster in der (literarischen) Beschäftigung mit der Revolution von 1918/19 ausmachen? Und zuletzt: Welcher spezifisch literarischen Techniken bedienen sich unterschiedliche Texte z.B. bei der Darstellung der revolutionären Massen (auch unter der Berücksichtigung politischer Aspekte)?
Literatur (mit * gekennzeichnete Texte bitte selbst in der angegebenen Ausgabe beschaffen, sonstige Texte werden in den relevanten Ausschnitten zur Verfügung gestellt):
- Daudistel, Albert: Das Opfer. Berlin: Verlag Neues Leben 1981.
- Godin, Marie Amelie von: Unser Bruder Kain. Roman aus der Münchener Räterepublik. Berlin: Askanischer Verlag 1919. URN: urn:nbn:de:101:1-2017110522820.
- Hoechstetter, Sophie: Scheinwerfer. Roman aus dem Berliner Revolutionswinter. Stuttgart: Engelhorn 1922.
- *Plievier, Theodor: Der Kaiser ging, die Generäle blieben. Kiel/Hamburg: Wachholtz 2018.
- Salomon, Ernst von: Die Geächteten. Rowohlt: Berlin 1962.
- *Toller, Ernst: Masse Mensch. Ein Stück aus der sozialen Revolution des 20. Jahrhunderts. Stuttgart: Reclam 1979.
Gruppe 6: Exilliteratur (Dr. Philip Iser)
Spätestens mit der sog. ›Machtergreifung‹ im Januar 1933 war für viele Schriftsteller:innen die Flucht aus Deutschland die einzige Möglichkeit mindestens zur Fortsetzung ihrer literarischen Tätigkeit, wenn nicht sogar zur Erhaltung ihres eigenen Lebens. Im inner- ebenso wie im außereuropäischen Exil entwickelten sich dabei schnell eigene Strukturen – Verlage wie ›Querido‹ in Amsterdam oder ›El Libro Libre‹ in Mexiko, Zeitschriften wie ›Die Sammlung‹, Schriftstellerverbände wie der ›Schutzverband deutscher Schriftsteller im Ausland‹ und vieles mehr. In diesem Seminar werden wir uns einen Überblick über die Vielfalt der deutschsprachigen Exilliteratur zwischen 1933 und 1945 verschaffen. Schwerpunkte sind dabei Fragen nach Kontinuitäten und Brüchen der literarhistorischen Entwicklung (in Lyrik, Dramatik und Epik) sowie nach den antifaschistischen Schreibweisen der Emigrant:innen.
Literatur (bitte diese oder seitenidentische Ausgaben anschaffen):
- Brecht, Bertolt: Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui. Berlin: Suhrkamp 1965 (= edition suhrkamp; 144).
- Canetti, Veza: Die Schildkröten. Frankfurt a.M.: Fischer 2011.
- Keun, Irmgard: Nach Mitternacht. Berlin: Ullstein Taschenbuch 2018.
- Seghers, Anna: Transit. Berlin: atb 2019.
- Zuckmayer, Carl: Des Teufels General. Frankfurt a.M.: Fischer 2014.
- zur Mühlen, Hermynia: Unsere Töchter, die Nazinen. Stuttgart: Peter Grohmann Nachfolger 2025.
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