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Literaturhistorisches Seminar I - Einzelansicht

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Grunddaten
Veranstaltungsart Seminar Langtext
Veranstaltungsnummer Kurztext
Semester WiSe 2026/27 SWS 2
Erwartete Teilnehmer/-innen Max. Teilnehmer/-innen 35
Credits Belegung Belegpflicht
Zeitfenster
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Sprache Deutsch
Belegungsfrist Anmeldefrist Germanistik Seminare    22.08.2026 - 20.11.2026    aktuell
Einrichtung :
Germanistik
Termine Gruppe: G1 iCalendar Export für Outlook
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Di. 10:00 bis 12:00 wöch. 13.10.2026 bis 02.02.2027  R11T - R11 T03 C75   Prof. Dr. Corinna Schlicht: Else Lasker-Schüler und die Literatur ihrer Zeit   35 Präsenzveranstaltung
Gruppe G1:
 
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Mo. 16:00 bis 18:00 c.t. wöch. 12.10.2026 bis 01.02.2027  R11T - R11 T04 C06   Dr. Philipp Böttcher: Bildungsaufstieg und soziale Mobilität in der postmigrantischen Gegenwartsliteratur   40 Präsenzveranstaltung
Gruppe G2:
 
Termine Gruppe: G3 iCalendar Export für Outlook
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Di. 10:00 bis 12:00 wöch. 13.10.2026 bis 02.02.2027  R11T - R11 T03 C82   Dr. Anna Quednau: Shakespeare-Rezeption (um 1800)   40 Präsenzveranstaltung
Gruppe G3:
 
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Do. 10:00 bis 12:00 wöch. 15.10.2026 bis 04.02.2027  R11T - R11 T04 C06   Dr. Lisa Wille: Literatur um 1800: Romantik   40 Präsenzveranstaltung
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Mi. 16:00 bis 18:00 wöch. 14.10.2026 bis 03.02.2027  R11T - R11 T04 C36   Prof. Dr. Stefan Hermes: Literatur des Expressionismus   35 Präsenzveranstaltung
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Mi. 10:00 bis 12:00 wöch. 14.10.2026 bis 03.02.2027  R12S - R12 S05 H20   Prof. Dr. Franz Fromholzer: Nymphen   40 Präsenzveranstaltung
Gruppe G6:
 


Zugeordnete Personen
Zugeordnete Personen Zuständigkeit
Wille, Lisa , Dr.
Böttcher, Philipp , Dr.
Quednau, Anna , Dr.
Hermes, Stefan , apl. Prof. Dr.
Schlicht, Corinna , Prof. Dr.
Fromholzer, Franz , Prof. Dr.
Zuordnung zu Einrichtungen
Germanistik
Inhalt
Kommentar

Gruppe 1: Else Lasker-Schüler und die Literatur ihrer Zeit (Prof. Dr. Corinna Schlicht)

Wir wollen uns in diesem Semester dem Werk der vielseitigen Autorin und bildenden Künstlerin Else Lasker-Schüler widmen und ihre Gedichte und Prosarbeiten im Kontext der Literatur der Literarischen Moderne, des Expressionismus, Literatur der Weimarer Republik und des Exils lesen und diskutieren. Dabei wird es auch um literarische Texte von Zeitgenossen gehen, die den Entstehungs- und Rezeptionskontext von Lasker-Schülers Wirken nachvollziehbar machen.
Bitte kaufen Sie sich folgende Textausgaben und fangen Sie an zu lesen. Als Einführung empfiehlt sich die Monographie  "Avantgarde und Moderne" von Walter Fähnders [online verfügbar in der UB]. Wir werden im Seminar auf diesen Forschungsbeitrag zu sprechen kommen. 

Else Lasker-Schüler:

  1. Sämtliche Gedichte (Fischer Taschenbuch)
  2. Mein Herz (Insel Taschenbuch) 
  3. Die Nächte des Tino von Bagdad sowie Der Prinz von Theben (wird zur Verfügung gestellt)

 Rainer Maria Rilke: Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge (Reclam)

 

Gruppe 2: Dr. Philipp Böttcher: Bildungsaufstieg und soziale Mobilität in der postmigrantischen Gegenwartsliteratur 

‚Autosoziobiografien‘ gelten als das „Genre der Stunde“ (Cramer/Schmidt/Thiemann 2023, S. 29). Sie erzählen zum einen den Bildungsaufstieg einer Figur und das damit verbundene Problem der erworbenen Distanz zur eigenen sozialen Herkunft. Zum anderen verbinden sie die Erzählung des eigenen Werdegangs mit überindividuellen Gesellschaftsperspektiven, mit einer geradezu soziologischen Analyse und Reflexion sozialer Verhältnisse. Der Erfolg der Autosoziobiografie als literarisches Phänomen und Beschreibungsbegriff begründet sich wohl nicht zuletzt darin, dass die Form trotz ihrer Eigenschaft, gesellschaftlich Verdrängtes zu thematisieren, eine dominanzgesellschaftliche und nationalstaatliche Prägung aufweist. Den (mindestens impliziten) Bezugspunkt bildet die westeuropäische Phase der sozialen Moderne – ein historischer Abschnitt, der mit sozialer Sicherheit, verlässlichen Aufstiegsversprechen, breiter Bildungsexpansion und einer ungebrochenen Bildungsemphase assoziiert wird. Weitgehend unberücksichtigt bleiben die Geschichte und soziale Tatsache der Migrations- und Postmigrationsgesellschaft, bzw. werden Texte mit einem solchen Fokus erkennbar zurückhaltender unter den Vorzeichen des Modegenres diskutiert.

Dabei ist in den vergangenen Jahren eine Fülle gegenwartsliterarischer Erzähltexte entstanden, die aus postmigrantischer Perspektive die Schreibformen und kulturellen Narrative des Genres erweitern bzw. grundlegend hinterfragen. Ergänzt werden von diesen Texten, mit denen wir uns im Seminar befassen wollen, auch die kollektiven Erinnerungsbilder und gesellschaftlichen Selbsterzählungen, indem etwa dem Bild einer bildungsexpansiven Aufstiegsgesellschaft die soziale Immobilität der '(Gast-)'Arbeiterklasse entgegengestellt werden, der die kollektiven Versprechen – und mithin auch ihre Erzählformen – nicht zu gelten schienen.

Die Teilnahme am Kurs setzt ausdrücklich die Bereitschaft zur umfangreichen Lektüre und regelmäßigen aktiven Teilnahme voraus. Das genaue Lektüreprogramm wird in Abstimmung mit den Teilnehmer*innen in der ersten Sitzung festgelegt. Anregungen und Vorschläge sind willkommen (bitte möglichst schon im Voraus per Mail einreichen).

 

Gruppe 3: Shakespeare-Rezeption (um 1800) (Dr. Anna Quednau)

Mit dem 18. Jahrhundert wird im deutschsprachigen Raum Shakespeare ‚entdeckt‘. Erste umfassende Übersetzungen ins Deutsche zogen eine vielfältige Auseinandersetzung nach sich, die je nach Fokus in harscher Kritik oder auch fast religiöser Verehrung des Dichters mündeten. An der breiten Beschäftigung mit Shakespeare lassen sich nicht nur Erkenntnisse über dessen Werk gewinnen, sondern vor allem und vielmehr auch Einsichten in die jeweiligen Fragestellungen und Programmatiken der Zeit. An den Texten über Shakespeare lassen sich die Veränderungen im Welt- und Menschenbild sowie in der Poetik und der literaturkritischen Diskussion ablesen.

Im Mittelpunkt des Seminars soll die Auseinandersetzung im Sturm und Drang mit Shakespeare stehen, die auch die literarische Produktion der Autoren deutlich geprägt hat. Dazu werden wir neben mind. einem Drama von Shakespeare vor allem die deutschsprachigen Texte über Shakespeare (von Goethe, Herder, Lenz u.a.) in den Blick nehmen, diese aber auch durch Positionen der Aufklärung und der Klassik kontextualisieren, um zu erarbeiten, worauf der Sturm und Drang aufbaut, wovon er sich aber auch programmatisch absetzt. Zudem werden wir uns fragen, inwiefern die Rezeption von Shakespeares Texten auch die literarische Produktion der Zeit, ihre Themen (Geniegedanke, Natur, Leidenschaften, Individualität) und Fragestellungen sowie die dramatische Poetik grundlegend beeinflusst haben. 

Bitte merken Sie sich für einen ersten Inszenierungsbesuch den 26.10., 20:00 Uhr vor ("Romeo und Julia", Schauspielhaus Düsseldorf). Für dieses und ein weiteres Stück werden in der ersten Sitzung 16,- eingesammelt. Nur diejenigen, die den Betrag bezahlen, können verbindlich am Seminar teilnehmen.

 

Gruppe 4: Literatur um 1800: Romantik (Dr. Lisa Wille)

Die Romantik zählt zu den wichtigsten Epochen der deutschsprachigen Literatur. Mit ihren Vorstellungen von Sehnsucht, Fantasie, Natur, Kunst und Individualität entwickelt sie neue literarische Formen und Wirklichkeitsentwürfe, die bis in die Gegenwart nachwirken. Zugleich beschäftigt sich die Romantik mit den Grenzen von Vernunft und Erkenntnis, mit dem Unheimlichen, dem Wunderbaren und den verborgenen Seiten des Menschen. Im Seminar wollen wir uns dieser spannenden Zeit um 1800 widmen und zentrale Erzähltexte der Romantik lesen sowie diskutieren.

Das Seminar erarbeitet an ausgewählten Texten zentrale Motive, Themen und poetologische Konzepte der Romantik. Dabei stehen sowohl literaturhistorische Fragestellungen als auch die gemeinsame Analyse der Texte im Mittelpunkt. Behandelt werden unter anderem romantische Vorstellungen von Natur, Kunst und Subjektivität, die Bedeutung von Fantastik und Traum sowie die Frage nach den Beziehungen zwischen Wirklichkeit und Imagination. Ziel ist es, einen vertieften Einblick in die Literatur der Romantik zu gewinnen und zugleich zentrale Methoden der literaturwissenschaftlichen Textanalyse anzuwenden und zu reflektieren.

Eine regelmäßige und aktive Mitarbeit werden vorausgesetzt. Hinweise zur Lektüre sowie weitere organisatorische Informationen werden in der ersten Sitzung bekanntgegeben.

 

Gruppe 5: Literatur des Expressionismus (apl. Prof. Dr. Stefan Hermes)

In ihrer Mehrheit begriffen sich jene Autoren, welche die ebenso kurze wie wirkmächtige Epoche des Expressionismus (ca. 1910 bis 1920) prägten, als radikale Erneurer der deutschsprachigen Literatur: Der Anspruch, den sie in zahlreichen Manifesten erhoben, bestand zunächst einmal darin, überkommene Schreibweisen durch dezidiert moderne Formen zu ersetzen. Jedoch beschränkte sich der von den Expressionisten proklamierte Bruch mit der Tradition keineswegs auf den Bereich literarischer Verfahrensweisen. Vielmehr sollte die Grenze zwischen Kunst und Leben überschritten werden und die Literatur sogar einen Beitrag zur Schaffung eines 'neuen Menschen' leisten: Ursächlich dafür war das tiefe 'Unbehagen in der Kultur' (im Sinne Freuds), dass die jungen Schriftsteller angesichts der politisch-sozialen, wissenschaftlich-technischen und ökonomischen Umbrüche des frühen 20. Jahrhunderts verspürten. Zu den zentralen Themen ihrer Texte zählen denn auch das von psychischer Dissoziation betroffene Individuum in seinem Verhältnis zur 'Masse', der unaufhaltsame Niedergang der bürgerlichen Welt sowie der existentielle Konflikt zwischen der Generation der Söhne und derjenigen der Väter. Darüber hinaus bildet der anfangs oft euphorisch begrüßte, aber zusehends als blanker Horror, ja als Apokalypse wahrgenommene Erste Weltkrieg einen zentralen Gegenstand der Werke, mit denen wir uns im Seminar beschäftigen wollen. Entgegengestellt wurden all dem sowohl kommunistisch inspirierte Revolutionsschwärmereien als auch Phantasmagorien von fernen 'exotischen' Welten, in denen ein Leben im Einklang mit der Natur noch möglich schien.

Näher untersuchen wollen wir die skizzierten Zusammenhänge mit Blick auf Gedichte, Erzähltexte und Dramen von Gottfried Benn, Alfred Döblin, Georg Kaiser, Klabund, Else Lasker-Schüler, Georg Heym, Jakob van Hoddis, Robert Müller, August Stramm und Franz Werfel. Dabei gilt es auch, die intermedialen Bezüge der expressionistischen Literatur zur bildenden Kunst (sowie zum Film) zumindest punktuell zu erörtern. Vorgesehen ist daher denn auch ein gemeinsamer Besuch des Folkwang-Museums.

Informationen zur anzuschaffenden Literatur werden in der ersten Sitzung gegeben.

 

Gruppe 6: Nymphen, Sylphen und Salamander. Die antike Elementenlehre in der Literatur der Frühen Neuzeit (Prof. Dr. Franz Fromholzer)

Im Naturverständnis der griechisch-römischen Antike erscheint das Irdische belebt vom Göttlichen, von Personifikationen der Naturkräfte wie Nymphen, Zephyre, Sylphen und Salamander. Diese personifizierten Naturkräfte lassen sich im Meer und an Quellen, in den Lüften und der Erde, aber auch im Feuer als lebendige Wesen finden. Ein solches Naturverständnis beruht auf der Schöpfungslehre von den vier Elementen - Feuer, Wasser, Erde, Luft - und findet sich als Ordnung der Welt auch in der Temperamentenlehre (cholerisch, phlegmatisch, sanguinisch, melancholisch), der Säftelehre (trocken, feucht, warm, kalt) sowie den vier Lebensaltern und Jahreszeiten wieder. Auch der menschliche Körper ist folglich Teil jener elementaren Ordnung. - Das Seminar möchte eingangs an Auszügen aus Ovids epochalem Werk "Die Metamorphosen" die literarische Relevanz der Elementenlehre diskutieren. Das Weiterleben dieses Naturverständnisses soll insbesondere für das 17. und 18. Jahrhundert erkundet werden: Wie werden Meereskräfte, die Gewalt der Stürme, zerstörende Feuersbrände und die Abgründe der Erde poetisch inszeniert? Eine gesonderte Aufmerksamkeit kann dabei der Alchemie, hier der Lehre des Paracelsus, zuteil werden, die sich der Verwandlung der Elemente widmet.

Das Seminar bietet anhand der antiken Elementenlehre einen Zugang zu zentralen Texten des 17. Jahrhunderts: Hans Jacob Christoph von Grimmelshausen ("Simplicissimus Teutsch"), Martin Opitz ("Schäfferey von der Nimfen Hercinie"), Daniel Casper von Lohenstein ("Cleopatra"), Aurora von Königsmarck (Fabel vom Nymphenbad) und Paul Fleming (Lyrik). Ein weiterer Schwerpunkt bildet die Lektüre von Texten der Klassik und Romantik, insbesondere Johann Wolfgang von Goethes (Lyrik; "Faust II." in Auszügen) und E.T.A. Hoffmanns ("Der Elementargeist"). Ein Ausblick auf die Gegenwartsliteratur am Beispiel von Texten von Julia Schoch und Christoph Ransmayr beschließt das Seminar.

Zentrale Texte werden digital zur Verfügung gestellt. Zur Einführung empfohlen: Gernot Böhme, Hartmut Böhme (Hgg.): Feuer Wasser Erde Luft. Eine Kulturgeschichte der Elemente. 3. Aufl. München 2014.

 

 

Literatur Wegen Literatur beachten Sie bitte den Kommentar.
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