Gruppe 1: Liebe und Freundschaft in Coming-of-Age-Romanen [Dr. Liane Schüller]
Im Seminar beschäftigen wir uns mit ausgewählten aktuellen Romanen und Erzählungen, in denen Liebe und Freundschaft und deren vielfältige Motive in verschiedenen Formen, Erzähl- und Sprechweisen thematisiert werden. Dabei wird es um die Ambivalenzen erster, ‚unerhörter‘ Begegnungen ebenso gehen wie um Darstellungsmodi und ästhetische Besonderheiten der Gefühls- und Erfahrungswelten der literarischen Figuren.
Der Seminar- und Lektüreplan wird in der 1. Seminarsitzung bekannt gegeben.
Vor Start des Seminars sollten bitte folgende Texte möglichst bereits gelesen sein:
- Mathias Brandt: Blackbird. Stuttgart: Reclam, 2023
- Daniela Dröscher: Mädchen allein zu zweit. Weinheim: Beltz & Gelberg, 2026
- Eva Rottmann: Kurz vor dem Rand. Berlin: Jacoby & Stuart, 2024
- Eva Rottmann: Fucking fucking schön. Berlin: Jacoby & Stuart, 2024
Gruppe 2: Aktuelle Kinder- und Jugendliteratur – Basiswissen für angehende Lehrerinnen und Lehrer der GS und Sek I [Dr. Bettina Oeste]
Kinder- und Jugendliteratur ist ein zentraler Bestandteil des Deutschunterrichts, sowohl der Grundschule als auch der weiterführenden Schulen. Der Umgang mit ihr fördert nicht nur Lesemotivation und -kompetenz, sondern unterstützt auch die sprachliche, emotionale und ästhetische Entwicklung von Kindern. Für angehende Lehrkräfte ist es daher wichtig, literarische Texte fachlich fundiert analysieren und für den Unterricht didaktisch aufbereiten zu können. Ausgangspunkt des Seminars sind die eigenen Rezeptionserfahrungen der Studierenden in ihrer Kindheit und Jugend. Darauf aufbauend wird die Geschichte und Entwicklung der Kinderliteratur im Kontext des gesellschaftlichen und pädagogischen Wandels nachvollzogen.
Im Mittelpunkt des Seminars steht das Einüben zentraler (in Lit I erlernter) literaturwissenschaftlicher Verfahren und Methoden der Textanalyse. Diese werden exemplarisch an dem Jugendroman Pembo – Halb und halb macht doppelt glücklich! von Ayşe Bosse (2020) erarbeitet. Dabei werden unter anderem Aspekte wie Figurenkonzeption, Erzählweise, Handlungsaufbau, Sprache, Motive und Themen analysiert und im Hinblick auf ihre Bedeutung für die literarische Rezeption sowie den Einsatz im Deutschunterricht von GS oder Sek I reflektiert.
Studierende, die eine Studienleistung erbringen, erarbeiten nach Absprache mit der Dozentin eine Buchpräsentation zu einem aktuellen Kinder- oder Jugendroman ihrer Wahl und stellen darin dessen literarischen sowie didaktischen Potenziale vor. Studierende, die die Modulprüfung absolvieren, verfassen auf Grundlage der im Seminar erworbenen Kenntnisse und Methoden eine literaturwissenschaftliche Hausarbeit, in der sie eine eigenständige Analyse eines weiteren Kinderromans erstellen.
Primärliteratur, die von allen Kursteilnehmerinnen anzuschaffen und gründlich zu lesen ist: Bosse, Ayşe (2020): Pembo - halb und halb macht doppelt glücklich! Hamburg: Carlsen Verlag sowie ein weiterer Kinder- oder Jugendroman (nach Absprache mit der Seminarleitung)
Über LSF zugelassene Teilnehmer*innen erhalten rechtzeitig zu Semesterbeginn die Zugangsdaten für den entsprechenden Moodle-Kursraum, über den alle relevanten Informationen sowie die endgültigen Teilnahme- und Zulassungsbedingungen kommuniziert werden.
Gruppe 3: Einführung in die Comicanalyse - Das Seminar findet nicht statt. -
Gruppe 4: „Denn drei Kerlen wie ihnen musste einfach alles gelingen." Erzählte Geschlechterordnungen in zeitgenössischer Kinder- und Jugendliteratur [Helena Trapp]
Das Seminar bewegt sich an der Schnittstelle von Erzähltextanalyse und Gender Studies und verbindet damit literatur- und kulturtheoretische Perspektiven. Untersucht werden Darstellungen von Geschlecht und Geschlechterordnungen in kinderliterarischen Schrifttexten, aber auch in Bild-Schrifttext-Kombinationen, die eine Erweiterung der narratologischen Analyseperspektiven notwendig machen. Das Textkorpus umfasst einen historischen Querschnitt kinderliterarischer Werke, wobei der Schwerpunkt auf moderner Kinderliteratur und gegenwärtigen genderbezogenen Entwicklungen liegt.
Gruppe 5: "Kinder- und Jugendliteratur aus narratologischer Sicht" - Das Seminar findet nicht statt. -
Gruppe 6: Drachen, Diebe und Hühnerherzen: Cornelia Funkes Literatur erforschen [Lea Grey]
Die Werke Cornelia Funkes zählen zu den bekanntesten Texten der deutschsprachigen Kinder- und Jugendliteratur. Im Seminar beschäftigen wir uns mit ausgewählten Werken der Autorin und erarbeiten grundlegende Methoden der Textanalyse und -interpretation. Dabei entwickeln wir eigene Fragestellungen und erproben kreative Zugänge zur Literatur. Das Seminar verbindet wissenschaftliches Arbeiten mit praxisnahen und kollaborativen Arbeitsformen und bietet Gelegenheit, Literatur analytisch und gestaltend zu erschließen. Auch Studierende mit Care-Verantwortung sind ausdrücklich eingeladen: Trotz der Wochenendtermine wird auf eine Arbeitsweise geachtet, die Care-Arbeit berücksichtigt und eine Teilnahme ermöglicht.
Die Bereitschaft zur aktiven Teilnahme sowie zur Mitarbeit in Gruppenarbeitsphasen wird vorausgesetzt. Weitere Informationen zum Seminarablauf und zu den Studienleistungen werden in der ersten Sitzung bekannt gegeben.
Gruppe 7: Pippi, Madita und Michel - Astrid Lindgrens Kinderromane und Bilderbücher seit 1945 [Dr. Larissa Carolin Jagdschian]
Astrid Lindgrens Kinderromane sind nicht nur internationale Klassiker (vgl. Kümmerlin-Meibauer 1999), sondern sie hat wie keine andere Kinder- und Jugendbuchautorin zuvor die Entwicklung der westdeutschen Kinder- und Jugendliteratur nach 1945 bestimmt. Sie schuf mit Bo Vilhelm („Mio, mein Mio“) oder Pippi Langstrumpf Kinderfiguren, die geläufige Vorstellungen von Kindheit subversiv unterlaufen und Kindheit als eine von der Erwachsenenwelt abgekoppelte, eigenständige Phase vorführen (vgl. Steinlein 2018, S. 340). Entsprechend avancierte die Zeit zwischen 1945 bis 1960 zur sogenannten „Lindgren-Ära“ (Ewers 1995, S. 17). Lindgrens Kinderliteratur war aber nicht nur ein Vorbild für weitere westdeutsche Kinderromane, sondern brach mit geläufigen Erwartungen an Kinderliteratur, da u. a. der Tod thematisiert wird („Die Brüder Löwenherz“) oder Fragen von Prekarität und Klassizismus („Madita“) reflektiert wurden. Astrid Lindgren griff dabei nicht nur auf bekannte Motive wie die der Familie („Wir Kinder aus Bullerbü“) oder Genres wie den Detektivroman („Kalle Blomquist“) zurück, sondern entwickelte sie weiter. Ebenso rebellisch und humorvoll sind ihre Figuren in den Bilderbüchern. Diesem Spektrum möchten wir uns exemplarisch annähern, indem wir uns mit verschiedenen Kinder- und Bilderbüchern beschäftigen, die bis heute zum Schulkanon gehören. Neben einem umfangreichen Einblick in die literaturhistorische Entwicklung der westdeutschen Kinderliteratur nach 1945 werden wir uns gemeinsam die Grundlagen der Analyse von Erzähltexten (Martinez/Scheffel 2018) und Bilderbüchern (Staiger 2022) erarbeiten sowie literaturtheoretische Perspektiven (Stemmann/Schäfer/Ullmann 2025) erörtern.
Gruppe 8: Spurensuche und Verbrecherjagd. Kinder- und Jugendkriminalromane der Gegenwart [Dr. Jana Vijayakumaran] [Online]
Kaum ein Genre erfreut sich in der Kinder- und Jugendliteratur des 20. und 21. Jahrhunderts einer so großen Popularität wie der Kriminalroman. Neben englischsprachigen Krimireihen wie Enid Blytons Fünf-Freunde- und Rätsel-um-Bücher gehören deutschsprachige Krimis zu den Klassikern der KJL – man denke nur an Erich Kästners Emil und die Detektive, an Kirsten Boies Thabo-Reihe oder an Andreas Steinhöfels Rico, Oskar und die Tieferschatten. Gerade in seinen kinder- und jugendliterarischen Ausgestaltungen bildet der Kinderkrimi zahlreiche Varianten aus – das Spektrum reicht vom Tierkrimi über den Umweltkrimi bis hin zum Geschichtskrimi (exemplarisch ausgestaltet in Fabian Lenks Reihe Die Zeitdetektive). Das Seminar widmet sich den verschiedenen Spielarten des Kinderkrimis und vermittelt somit Einsichten in aktuelle Tendenzen, Themen und Verfahrensweisen der Kinder- und Jugendliteratur. Diskutiert werden neben aktuellen Bilderbuch- und Erstlesekrimis Kinder- und Jugendkriminalromane von Andreas Steinhöfel, Kirsten Boie und Antonia Michaelis. Anhand dieser und theoretischer Texte sollen zum einen Grundlagen der Bilderbuch- und Erzählanalyse vermittelt werden, zum anderen zentrale Theorien und Methoden der Kinder- und Jugendbuchanalyse erlernt und erprobt werden.
Das Seminar findet online statt.
Gruppe 9: Armut und Klassismus in der Kinder- und Jugendliteratur [Dr. Lucas Alt]
Armut und soziale Ungleichheit gehören zu den wiederkehrenden Themen der Kinder- und Jugendliteratur (vgl. Mikota 2023). Dabei erzählen literarische Texte von Kindern und Jugendlichen, die mit beengten Wohnverhältnissen, finanziellen Sorgen, Ausgrenzung oder eingeschränkten Bildungs- und Teilhabechancen umgehen müssen. Zugleich vermitteln sie Vorstellungen davon, wer als „arm“ gilt, wie Armut erklärt wird und welche Möglichkeiten den Figuren zugeschrieben werden, ihre soziale Lage zu verändern. Im Seminar beschäftigen wir uns mit Armut nicht allein als ökonomischer Lebenslage, sondern auch mit Klassismus als Diskriminierungsform. Klassismus bezeichnet Abwertungen und Benachteiligungen, die an soziale Herkunft, Bildungswege, Beruf, Einkommen oder Wohnort anknüpfen (vgl. Seeck 2020). Kinder- und Jugendbücher können solche Ungleichheiten sichtbar machen und kritisieren; sie können jedoch ebenso stereotype Bilder reproduzieren, etwa wenn Armut individualisiert, moralisch bewertet oder ausschließlich als persönliches Problem dargestellt wird (vgl. Alt 2023). Ausgehend von einer Einführung in zentrale Begriffe wie soziale Klasse, Armut, Klassismus und soziale Mobilität analysieren wir ausgewählte historische und gegenwärtige Werke der Kinder- und Jugendliteratur. Dazu werden wir uns zunächst die Grundlagen der Analyse von Erzähltexten (Martinez/Scheffel 2018) und Bilderbüchern (Staiger 2022) erarbeiten. Im Mittelpunkt stehen dann Fragen nach Figurenkonzeptionen, Erzählperspektiven und sprachlich-bildlichen Darstellungen sozialer Unterschiede sowie ein Ausblick auf Fragen diskriminierungskritischer literarischer Bildung.
Die vorzubereitende Lektüre wird den Teilnehmenden vor Veranstaltungsbeginn bekanntgegeben.
Gruppe 10: Zwischen Scham und Solidarität: Darstellungen sozialer Ungleichheit in kinder- und jugendliterarischen Medien [Dr. Lucas Alt]
Wie Kinder und Jugendliche aufwachsen, ist wesentlich von ihren sozialen und ökonomischen Lebensbedingungen geprägt. Auch kinder- und jugendliterarische Medien greifen diese Wirklichkeiten auf: Sie erzählen von knappen finanziellen Ressourcen, prekären Familienverhältnissen, Bildungsbarrieren und Erfahrungen des Nicht-dazugehörens. Romane, Bilderbücher, Filme oder Serien machen damit soziale Unterschiede zum Gegenstand und prägen zugleich die Wahrnehmungen davon, was als „normale“ Kindheit gilt und welche Lebenslagen als abweichend erscheinen. Anhand historischer und aktueller Kinder- und Jugendmedien analysieren wir exemplarisch, welche Bilder von Armut, Klasse und sozialem Aufstieg entworfen werden. Dazu werden wir uns zunächst die Grundlagen der Analyse von Erzähltexten (Martinez/Scheffel 2018) und Bilderbüchern (Staiger 2022) erarbeiten. Dabei fragen wir nach Erzählperspektiven, Figurenbeziehungen und ästhetischen Verfahren ebenso wie nach den Grenzen der Darstellung: Wann werden strukturelle Ursachen sozialer Ungleichheit sichtbar, wann erscheinen Armut und Ausgrenzung dagegen als individuelles Versagen? Ziel ist es, kinder- und jugendliterarische Medien in ihrer Bedeutung für eine sensibilisierte und diskriminierungskritische Auseinandersetzung mit sozialer Ungleichheit zu erschließen.
Die vorzubereitende Lektüre wird den Teilnehmenden vor Veranstaltungsbeginn bekanntgegeben.
|