| Kommentar |
Expressivität als Motor des Sprachwandels
Expressive sprachliche Ausdrücke wie der Exklamativsatz Wie geil ist das denn! dienen, vereinfacht gesprochen, dazu, eine hohe emotionale Beteiligung anzuzeigen. Das Bedürfnis expressiv zu kommunizieren, führt, insbesondere in jugendsprachlichen Stilen, dazu, dass immer wieder neue sprachliche Formen geschaffen werden. Das betrifft z.B. die Phänomenbereich der Intensivierer (Das schmeckt übelst/krank/übertrieben/über lecker) oder generaliserender Vokative (z.B. Digga, Alter, Bro, Bruder) sowie in Schimpf- und Tabuwörtern oder Spitznamen.
Im Seminar werden wir uns mit diesen und weiteren Phänomenbereichen befassen, wobei wir gegenwartssprachliche mit sprachhistorischen Tendenzen vergleichen werden. Das Seminar ist stark forschungsbasiert ausgerichtet. Wir erarbeiten zunächst gemeinsam theoretische Grundlagen von Expressivität (sowie verwandter Konzepte) und befassen uns mit methodischen Grundlagen empirischer Untersuchungen in der Linguistik. Danach werden Sie diese Grundlagen selbst anwenden, indem Sie in Kleingruppen eine selbstgewählte expressivitätsverdächtige Einheit auf ihre Formen und Funktionen untersuchen. Ihre Fallstudien können sowohl synchron als auch diachron angelegt werden. |
| Literatur |
Koch, Peter/Oesterreicher, Wulf (1996): Sprachwandel und expressive Mündlichkeit. In: LiLi 26, 2, S. 64–96.
Pustka, Elissa (2014): „Was ist Expressivität?“, in: Pustka, Elissa/Goldschmitt, Stefanie (Hrsg.): Emotionen, Expressivität, Emphase, Berlin: Erich Schmidt Verlag, 11-39. |