Kommentar: |
Das Phänomen Säkularisation in seiner politisch-staatsrechtlichen Bedeutung existiert bereits seit der Antike. In größerem Umfang wurden in der Epoche der Reformation geistliche Einrichtungen säkularisiert. Höhepunkt dieser Entwicklung ist die antiklösterliche Totalsäkularisation im revolutionären Frankreich ab 1789. Das Heilige Römische Reich Deutscher Nation, erfasst von den Säkularisierungstendenzen der Aufklärung, erlebte im Gefolge der Französischen Revolution den Untergang der Germania Sacra: Geistliche Territorien, Klöster, ungezählte religiöse Institute. Zugleich mit dem Reichsdeputationshauptschluss 1803 vollzog sich ein radikaler Verfassungsumbruch, der den Untergang des Alten Reiches besiegelte.
Seit der Jahrtausendwende erfährt das Diktum eines Bielefelder Historikergelehrten aus dem Jahr 1987, dass „die katholischen Territorien des Reiches politisch rückständig geblieben waren, und [...] sie ebenfalls ökonomische, wissenschaftliche und häufig - mit der Ausnahme ihrer bestechenden Architektur - kulturelle Rückständigkeit kennzeichnete,“ seitens der historischen Forschung eine erhebliche Umwertung, derart, dass „unter dem Krummstab gut leben war“. Diese signifikant unterschiedlichen Beurteilungen sollen thematisiert werden ebenso wie der geschichtsphilosophische Begriff der Säkularisierung, der (häufig synonym mit Säkularisation verwendet) erst im 19. Jahrhundert in Gebrauch kam als Chiffre für den komplexen Wandlungsprozess vom vorrationalistischen christlichen Abendland hin zur atheistischen Moderne. |
Literatur: |
- Hermans, Baldur (Hg.): Die Säkularisation im Ruhrgebiet. Ein gewalttätiges Friedensgeschäft. Vorgeschichte und Folgen. Mülheim an der Ruhr 2004. - Bettina Braun / Mareike Menne / Michael Ströhmer (Hgg.): Geistliche Fürsten und Geistliche Staaten in der Spätphase des Alten Reiches. Epfendorf 2008. - Crusius, Irene (Hg.): Zur Säkularisation geistlicher Institutionen im 16. und im 18./19. Jh. (Veröffentl. des Max-Planck-Instituts für Geschichte 124) (Studien zur Germania Sacra 19). Göttingen 1996. - Gärtner, Ulrike / Koppetsch, Judith (Hgg.): Klostersturm und Fürstenrevolution. Staat und Kirche zwischen Rhein und Weser 1794-1803. Dortmund 2003. - Mölich, Georg / Oepen, Joachim / Rosen, Wolfgang (Hgg.): Klosterkultur und Säkularisation im Rheinland. 2. Aufl. Essen 2002. - Weiß, Gisela / Dethlefs, Gerd (Hg.): Zerbrochen sind die Fesseln des Schlendrians. Westfalens Aufbruch in die Moderne. Münster 2002 |