Kommentar: |
Was heißt es, dass Menschen „als Gleiche“ behandelt werden? Was verlangt Gleichheit von Individuen und/oder von Institutionen? Kann man Gleichheit „praktizieren“? Was bedeutet Gleichheit für die Verteilung von Gütern, Chancen und Fähigkeiten? Und was ist gemeint, wenn von der „Begegnung auf Augenhöhe“ gesprochen wird?
Das Seminar „Was heißt es, gleich zu sein?“ widmet sich der Frage nach der Bedeutung von Gleichheit, mit einem besonderen Fokus auf neuere Ansätze zu einem sogenannten relationalen Egalitarismus. Diese Ansätze verorten Gleichheit in der Beziehung zwischen Menschen (daher „relational“) und rücken damit Fragen nach der Qualität solcher Beziehungen in den Mittelpunkt der Gleichheitsdebatte. Im relationalen Egalitarismus geht es folglich weniger um Verteilungsfragen, wie sie den liberalen Egalitarismus prägen, für den etwa John Rawls steht, sondern um die spezifischen Anforderungen, die Beziehungen von Menschen als Gleiche und unter Gleichen stellen. Fragen der Verteilung werden dabei nicht ausgeklammert, sondern die Verteilung von Gütern oder Chancen wird hinsichtlich der Rolle betrachtet, die sie für die Ermöglichung oder Förderung von Beziehungen auf Augenhöhe spielt.
Im Seminar werden wir aktuelle Texte zu diesen Ansätzen lesen und diskutieren, um ein tieferes Verständnis für die Konzepte und ihre Implikationen zu gewinnen. Die Diskussion verspricht, zentrale Begriffe wie Gleichheit, Gerechtigkeit und soziale Interaktion in einem neuen Licht zu betrachten und die Bedeutung von Gleichheit als dynamisches sowie soziales Beziehungsmodell zu beleuchten. |