Mit dem Aufkommen der modernen Wissenschaften in den Epochen der Frühen Neuzeit und der Aufklärung steht der Begriff der Emanzipation ganz wesentlich dafür, die Zwänge der Natur zu überwinden. Zur gleichen Zeit wird „der Frau“ bzw. weiblichen Menschen häufig zugeschrieben, mehr zur „Natur“ zu gehören als „der Mann“ – insbesondere Schwangerschaft und Geburt und alle damit zusammenhängenden Vorgänge werden als in einer Weise „naturwüchsig“ empfunden, die bei männlichen Menschen so nicht verortet wird.
In Teilen der Umweltbewegung hingegen ist gerade der mit dem Weiblichen assoziierten Bereich der Sorge – Sorgetragen für die Gemeinschaft, für die natürlichen Voraussetzungen des Lebens etc. – und das damit verbundene, tradierte Wissen ein wesentlicher Ausgangspunkt und Grundlage für einen nachhaltigeren Umgang mit Natur und eine „lebensfreundlichere“ Einrichtung menschlicher Gemeinschaften.
In diesem Seminar werden wir das Spannungsfeld zwischen „Frau“/“Natur“ und „Emanzipation“/Feminismus genauer anschauen und uns anhand unterschiedlicher Ansätze der feministischen Theorie und der Umweltphilosophie fragen, ob und wie das emanzipatorische Interesse des Feminismus und das Interesse, nicht-nachhaltige Lebens- und Wirtschaftsweisen analysieren und zu überwinden miteinander in Verbindung stehen. |