Seit dem Entstehen der liberalen Demokratie im 18. und 19. Jahrhundert hat diese Form gesellschaftlicher, wirtschaftlicher und politischer Organisation vehemente Gegner. Sie sehen in gesellschaftlicher Pluralität, in einem alle Grenzen überschreitenden Kapitalismus und im Zuschnitt liberaler politischer Rechte auf das Individuum eine krisenanfällige Konstruktion, die im Widerspruch zu grundlegenden Eigenschaften des Menschen und zu den grundlegenden Funktionsweisen politischer und sozialer Verbünde steht.
Aktuell wird der antiliberale rechte Diskurs in Deutschland vor allem von einem Kreis von Autor:innen um den Verleger und politischen Aktivisten Götz Kubitschek geprägt, der mit den vielfältigen Krisen gegenwärtiger Gesellschaften die Möglichkeit einer „konservative Revolution“ verbindet, an deren Ende ein Europa illiberaler Staaten mit homogenen Bevölkerungen steht.
In diesem Seminar werden wir uns Positionen aus dem aktuellen rechten Diskurs anschauen sowie Texte der Autoren insbesondere des 20. Jahrhunderts, auf die dieser Diskurs sich bezieht. Dabei wird es zunächst um die anthropologischen Grundannahmen gehen, auf denen aufbauend dann der Begriff des Politischen, und schließlich die Gegnerschaft zum Liberalismus erschlossen werden können.
Insbesondere der letzte Punkt, also die Gegnerschaft zum Liberalismus, wird uns auch deshalb interessieren, weil die rechts-autoritäre Kritik an einer aus ihrer Sicht überindividualisierten Gesellschaft und an den Auswüchsen des Kapitalismus sich zum Teil mit konservativ-demokratischer und linker Kritik überschneidet. Herausgearbeitet werden soll deshalb, wo und wie die antidemokratischen Tendenzen rechter Theorien jeweils beginnen – und was das eigentlich ist, die Demokratie, die es gegen diese Tendenzen zu verteidigen gälte.
Dieses Seminar wird als Blockseminar angeboten, am 26.4., 9.+10.5, 23.+24.5, jeweils von 10 – 16 Uhr.
Hinweis für E3-Studierende: Dieses Seminar ist ein reguläres Philosophieseminar, das für E3-Studierende geöffnet ist. Sie bekommen insbesondere für die Leistungserbringung gesonderte Hilfestellung; es handelt sich aber nicht um eine speziell auf E3-Studierende ausgerichtete Einführungsveranstaltung. |