Wenn von „politischem Engagement“, „politischen Gegnern“ oder von der „Politisierung“ einer bestimmten Angelegenheit die Rede ist, was hat es in diesen Ausdrücken dann jeweils mit dem „politisch“ auf sich?
Gibt es vielleicht einen gesellschaftlichen Bereich unter anderen, den wir Politik nennen, sodass dasjenige, was in diesen Bereich fällt, von ihm seine Bezeichnung als „politisch“ bezöge (etwa eine politische Partei als Teil des politischen Systems)? Oder gibt es eine das Leben der Menschen umfassende Institution, die mit der Regelung menschlichen Zusammenlebens betraut ist, wobei die Angelegenheiten, die mit dieser Institution in Verbindung stehen, daher „politisch“ zu nennen wären (etwa der Staat und die ihn betreffenden öffentlichen Angelegenheiten)?
Carl Schmitt hat in seiner Schrift Der Begriff des Politischen von 1932 eine berühmte Antwort auf diese Frage gegeben: „Die spezifisch politische Unterscheidung, auf welche sich die politischen Handlungen und Motive zurückführen lassen, ist die Unterscheidung von Freund und Feind.“ Aus dieser Unterscheidung von Freund und Feind erhalte das Attribut „politisch“ seinen Sinn und von dieser Unterscheidung seien „politische“ Gebilde, einschließlich des Staates, abhängig – und nicht umgekehrt.
Dieser Ansatz hat einerseits sowohl konzeptuelle als auch normative Kritik auf sich gezogen, andererseits kann man seinen Einfluss bis in heutige, sich als emanzipatorisch verstehende Bemühungen, die Politik „vom Politischen aus“ und womöglich sogar im Gegensatz zum Politischen zu denken, weiterverfolgen.
Wir werden uns in diesem Seminar in eingehender Lektüre mit der Argumentation auseinandersetzen und uns fragen, was daraus sowohl für ein Verständnis politischer Phänomene als auch für normative Ansätze in der Politischen Philosophie gewonnen werden kann. Zum Ende des Seminars werden wir auch die Rezeption dieses Buchs hinzuziehen. |