Kommentar: |
Als methodisches Rüstzeug für die empirische Arbeit werden wir uns im Seminar mit zwei Forschungsmethoden und ihrem jeweiligen konzeptuellen Hintergrund beschäftigen: der ethnomethodologischen Konversationsanalyse und (leitfadenbasierten/narrativen) Interviews. Das Ziel des Seminars besteht in einem konzeptuellen wie analysepraktischen Verständnis dieser Methoden, so dass Studierende informierte Entscheidungen über die Wahl des geeigneten Forschungsinstruments in Abhängigkeit vom jeweiligen Forschungsinteresse treffen können. Die ethnomethodologischen Konversationsanalyse bietet sich als Instrumentarium an, wenn man soziale Interaktion auf der Ebene der zwischen den Interaktionsbeteiligten ablaufenden kommunikativen Mikro-Prozesse untersuchen möchte. Sie basiert auf den Grundannahmen der Ethnomethologie (Garfinkel) und wendet diese auf den Gegenstand 'Kommunikation / soziale Interaktion' an. Wir werden die grundlegenden Prinzipien und Arbeitsweisen erarbeiten und dabei reflektieren, inwiefern zentrale Beschreibungsdimensionen und -konzepte, die anfänglich auf der Basis von Audiodaten entwickelt worden sind, angesichts einer aktuellen auf Videodaten basierenden multimodalen Zugriffsweise weiterhin haltbar sind bzw. überdacht werden sollten. Im zweiten Teil des Seminars beschäftigen wir uns mit leitfadengestützten und narrativen Interviews, die Einblicke in die subjektive Sichtweise bzw. Darstellung von Personen auf Ereignisse etc. bieten. Wir werden uns mit der Konzipierung von Interviewfragen und der Durchführung des Interviews beschäftigen und mit der Inhaltsanalyse nach Mayring eine mögliche Auswertungsmethode vorstellen und anwenden. Abschließend werden die Möglichkeiten und Grenzen der verschiedenen Ansätze reflektiert. Für beide Forschungsmethoden werden die Studierenden in kleinen Projekten selbst Daten erheben, die aufbereitet, in Auszügen transkribiert und exemplarisch ausgewertet werden. Die erwartbar unterschiedlichen methodologisch/methodischen Vorkenntnisse der Studierenden werden sowohl über die Projektarbeit als auch über Lektüre-Angebote auf unterschiedlichen Expertise-Stufen aufgefangen. |
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Einführende Literatur:
Hepp, A., Loosen, W., Dreyer, S., Jarke, J., Kannengießer, S., Katzenbach, C., Malaka, R., Pfadenhauer, M., Puschmann, C., & Schulz, W. (2022). Von der Mensch-Maschine-Interaktion zur kommunikativen KI: Automatisierung von Kommunikation als Gegenstand der Kommunikations- und Medienforschung. Publizistik, 67(4), 449–474. https://doi.org/10.1007/s11616-022-00758-4
Katzenbach, C. (2018). Die Ordnung der Algorithmen - zur Automatisierung von Relevanz und Regulierung gesellschaftlicher Kommunikation. In (Un)berechenbar? Algorithmen und Automatisierung in Staat und Gesellschaft (S. 1-15). Berlin: Fraunhofer-Institut für Offene Kommunikationssysteme FOKUS, Kompetenzzentrum Öffentliche IT (ÖFIT). https://nbn-resolving.org/urn:nbn:de:0168-ssoar-57154-3
Mayring, P. (2025). Qualitative Content Analysis With ChatGPT. FQS, 1, Art. 4.
Turing, A. M. (1950). Computing machinery and intelligence. Mind, 59, 433–460. |